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Beraterinnen und Berater von ‹Hada Sisila› präsentieren sich stolz am Tag, als sie ihr Diplom erhalten.

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Projekt des Monats August: Psychosoziale Hilfe in Sri Lanka

Ein ruhiges Herz

Der Wiederaufbau in Sri Lanka nach dem Tsunami ist abgeschlossen, aber die psychischen Wunden der Betroffenen gehen noch immer tief. Der FAIRMED-Vertreter Sri Lankas, Dr. Kasturi, erzählt von der Arbeit mit freiwilligen Beratern: So sieht konkrete Hilfe zur Selbsthilfe aus.

Niemand konnte sich vorstellen, dass der Stephanstag 2004 den Bewohnern der Küste Sri Lankas so viel Elend bringen würde. Es war ein Morgen wie jeder andere: die Strassen waren belebt, Kinder spielten und Touristen genossen den Strand. Plötzlich erhoben sich riesige Wellen aus dem Meer, rollten voller Wucht über die Strände und durch Palmenhaine, zerstörten Häuser und schwemmten alles weg. Ein Zug mit 700 Passagieren wurde aus den Geleisen geschleudert, kaum einer der Passagiere konnte sich retten.

Der Tsunami hat die Strände im Süden der Insel massiv zerstört.

Niemand hatte Zeit nachzudenken, was eigentlich geschah. Es hätte auch nicht viel gebracht, denn es überstieg jede Vorstellungskraft. Vor den Augen der Küstenbewohner verschwanden Eltern, Kinder, Verwandte und Freunde. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei. Ein Tsunami jenseits aller Vorstellungen – vergleichbar nur mit der mythologischen Erzählung, in der ein König seine Tochter dem Meeresmonster opferte, damit dieses sein Land nicht verschlingen würde.

Physische und psychische Wunden

Im Tsunami starben in Sri Lanka rund 35000 Menschen. Dies änderte das Leben der Betroffenen fundamental. Unzählige internationale Organisationen halfen, Häuser und Strassen wieder aufzubauen. Die Menschen vor Ort unterstützten einander mit Wasser, Nahrung und Unterkunft. Nach der konkreten physischen Hilfe in der ersten Phase, traten immer mehr auch die psychischen Probleme der Betroffenen ans Licht: Depressionen, Angstzustände, Selbstmordgedanken. Hilfsorganisationen bildeten Berater aus, die den Menschen in den Dörfern halfen, über ihre Situation zu reden.

Nach einigen Jahren begannen sich die Hilfswerke aber zurückzuziehen. Die Bemühungen der Regierung, einen Ersatz für die psychologischen Beratungen auf die Beine zu stellen, hatte kaum Erfolg. In dieser Situation trat die Gesundheitsbehörde von Matara im Süden der Insel an FAIRMED heran und bat um Hilfe: Sie wollte sicherstellen, dass die Tsunamiopfer auch Jahre nach der Katastrophe die notwendige Hilfe bekommen.

Freiwillige als Beraterinnen

FAIRMED ist in dieser Region schon seit Jahren im Kampf gegen Lepra tätig, hat beim Wiederaufbau nach dem Tsunami geholfen und ist auch jetzt noch vor Ort, wo die meisten anderen Hilfswerke verschwunden sind. Aufgrund der Anfrage von Matara organisierte FAIRMED 2008 die ersten Ausbildungen für freiwillige Beraterinnen und Berater. Die meisten dieser Freiwilligen – zwei Drittel davon sind Frauen – waren selber in irgendeiner Form vom Tsunami betroffen. Sie lernten in der Ausbildung psychologische Krankheitsbilder erkennen und was man dagegen tun kann. Sie trainierten, wie sie Beratungsgespräche führen können und wohin sie die Menschen mit gravierenden psychischen Problemen weitervermitteln können.

Die Freiwilligen arbeiten in ihren Dörfern und besuchen die Familien, die Probleme haben. Meist sind es Frauen und Kinder, die bei ihnen Hilfe suchen. Es geht oft um familiäre Probleme, Alkoholismus oder häusliche Gewalt. Die Hauptarbeit der Freiwilligen ist zuhören und konkrete Hilfe einzuleiten. FAIRMED hat sie über die letzten Jahre finanziell und mit Supervision unterstützt.

Inzwischen haben die Menschen in den Dörfern erkannt, wie dringend diese Arbeit ist: Es ist mindestens so wichtig, die psychischen Wunden zu heilen, wie die Häuser wieder aufzubauen. So kommen immer mehr Menschen zu den Freiwilligen, erzählen von ihrem Schicksal und lernen, Hilfe anzunehmen. Diese Anerkennung durch die Menschen aus ihrem Dorf gibt auch den Freiwilligen das Gefühl, dass sie etwas Sinnvolles beitragen können.

Hada sisila – ruhiges Herz

Im März dieses Jahren haben die Freiwilligen sich als Verein organisiert: Hada Sisila, ruhiges Herz, nennen sie sich. Sie haben einen Eid geleistet, nach professionellen ethischen Standards zu arbeiten. Heute sind sie rund um die Uhr da für die Menschen in ihren Dörfern. Damit Hada Sisila längerfristig existieren kann, unterstützt FAIRMED den Verein darin, die notwendigen finanziellen Mittel von der Sri Lankischen Regierung zu erhalten. Die Vereinsmitglieder wollen ihren Service auch zudem auch Menschen zugänglich machen, die sich bisher noch nicht trauten, Hilfe zu holen: Menschen in absoluter Armut oder den vielen Witwen von Soldaten.

Selber Opfer der Tsunamikatastrophe, kaum jemand mit einer formellen Bildung, ein Drittel unter ihnen selber unter der Armutsgrenze lebend, helfen diese Freiwilligen ihren Mitmenschen. Obschon sie alle Opfer einer Naturkatastrophe und der sozialen Umstände sind, haben sie eines gemeinsam: Hada sisila - den Willen und den Mut, leidenden Menschen zu einem ruhigen Herz zu verhelfen.

Weitere Informationen über Sri Lanka

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Mit nur 48 Franken kann eine Selbsthilfegruppe ein Jahr lang, Aufklärungsarbeit über Gesundheit leisten. 134 Franken kostet die Ausbildung einer freiwilligen Beraterin in Sri Lanka. Mit wenig Geld können wir Hunderten von Menschen helfen.

Der Wiederaufbau der Häuser durch FAIRMED ist inzwischen abgeschlossen.


Oder helfen Sie:
- mit einem Legat
- mit einer Projektpatenschaft
- mit einer Fremdgeldspende
- mit Freiwilligenarbeit
- mit einer Spende via LSV/Debit Direct (pdf)

 

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