

Vernachlässigte Krankheiten werden in der Öffentlichkeit kaum beachtet. Über sie wird wenig oder gar nicht geforscht. Sie wüten fast ausschliesslich bei den ärmsten Bevölkerungsschichten in den tropischen Ländern, die kaum Geld haben und deren Gesundheit deswegen kein Geschäft für die grossen Pharmafirmen ist. Zusammengefasst werden sie unter dem Begriff vernachlässigte tropische Krankheiten.
Lepra und Buruli sind solche vernachlässigte Krankheiten, die wir bereits bekämpfen. Es gibt aber noch eine Vielzahl weiterer tropischer Krankheiten, die ebenfalls einen chronischen Verlauf nehmen und die Menschen in die Armut treiben. Diese Krankheiten wüten besonders unter den fast 1,4 Milliarden Menschen die in absoluter Armut – d.h. mit weniger als 1 USD pro Tag – leben.
Bei unseren Projekten in Afrika und Asien stossen wir laufend auf diese Krankheiten. Sie befallen vor allem die Kinder. Fast alle sind chronisch von Würmern befallen, so dass sie wegen Blutarmut ständig müde sind, schlecht wachsen und eine leichte Beute für tödliche Krankheiten wie Malaria und Lungenentzündung werden. Ihre Augen sind von Fliegen umschwirrt und meist entzündet. Die dabei übertragene Krankheit Trachom macht unbehandelt blind.
Beim Baden in Seen und Tümpeln und in der Landwirtschaft an sumpfigen Ufern stecken sich die Menschen mit Bilharziose an. Dieser Parasit schädigt ihre Blasen und Därme, so dass sie blutrot urinieren oder ständig Durchfall haben. Durch Mücken wird Filariose verbreitet, die zu entsetzlichen Schwellungen der Extremitäten führt, so dass die Beine der Betroffenen zu nutzlosen „Elefantenfüssen“ werden (Elephantiasis). Die Flussblindheit, übertragen durch den Biss einer Fliege, treibt die Menschen zuerst durch ständiges Hautjucken fast zum Wahnsinn und schliesslich erblinden auch sie.
Um die Gesundheit der Menschen zu verbessern und sie vor Tod und Behinderung zu schützen, kämpfen wir gegen diese vernachlässigten Krankheiten.
Die Killerkrankheit Malaria ist weltweit für ca. 1.3 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Sie vernichtet 47 Millionen produktive Lebensjahre, gemessen an sogenannten DALYs (disability-adjusted life years). An vernachlässigten tropischen Krankheiten sterben pro Jahr zwar „nur“ etwa eine halbe Millionen Menschen, aber fast 60 Millionen produktive Lebensjahre werden durch sie zerstört.
Wir engagieren uns, dass diese Krankheiten der Armut besser bekämpft werden. Es gibt für fast alle davon billige Medikamente und einfache Vorbeugungsmassnahmen sind bekannt, es fehlt aber das Geld, um die Betroffenen zu erreichen.
Wir halten es für wichtig, die Gelder der internationalen medizinischen Entwicklungshilfe nicht nur gegen die „Big 3“ Malaria, Tuberkulose und HIV einzusetzen, sondern intensiver gegen vernachlässigte Krankheiten vorzugehen.
Wir unterstützen deshalb die internationalen Bemühungen, einen globalen Fond zur Bekämpfung vernachlässigter tropischer Krankheiten einzurichten, wie er beim G8-Gipfel in Japan 2008 diskutiert wurde.
Wir setzen uns ein, diese Krankheiten zu bekämpfen, wo immer wir sie in unseren Projekten antreffen und wo die Menschen damit bisher alleine gelassen werden.