
Lepra ist eine nichterbliche Krankheit, deren Erreger die Haut und das Nervensystem befällt. Das Lepra-Bakterium (Mycobacterium leprae) wurde 1872 von dem Arzt Gerhard Armauer Hansen aus Norwegen entdeckt. Bis heute ist die Züchtung dieses Erregers auf Kulturböden nicht gelungen; deshalb gibt es auch noch keinen Impfstoff gegen Lepra.
Der Ansteckungsweg ist nicht genau bekannt. Armutsbedingte Lebensumstände - insbesondere in den Ländern der "Dritten Welt" - begünstigen die Ansteckung. Lepra tritt deshalb auch häufig bei unter- und fehlernährten Menschen auf, die unter schlechten und beengten Wohnverhältnissen leben müssen. Lepra ist eine Krankheit der Armut und muss immer im Zusammenhang mit den allgemeinen Lebensbedingungen der Betroffenen gesehen werden. Im Mittelalter war die Lepra auch in Europa ein grosses Problem. Mit der Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen verschwand jedoch diese "Krankheit der Armut". Übrigens: Von 100 Menschen auf der Welt haben 95 eine angeborene Abwehrkraft gegen den Lepraerreger.
Es gibt, vereinfacht gesagt, zwei Hauptformen der Lepra: eine nichtansteckende und eine ansteckende. Bei der nichtansteckenden Lepra leiden die Erkrankten vor allem unter Hautschäden und unter Befall der Nerven. So kann es beispielsweise zu Lähmungen der Hand, des Beines oder bestimmter Augennerven kommen. Der Ausfall von Augennerven kann zur Blindheit führen. Bei der ansteckenden Form der Lepra vermehren sich die Erreger sehr stark. Die Leprapatienten sind schon lange ansteckend, ohne die Krankheit an sich selbst bemerkt zu haben.
Wenn sie ausbricht, führt die Erkrankung zur Bildung von Beulen und Knoten auf der Haut, und es kommt zu Nervenlähmungen. Die Geschwüre und Verstümmelungen, die man häufig bei Leprakranken sieht, werden selten direkt durch die Lepra verursacht, sondern durch Nervenausfälle und die dadurch hervorgerufene Gefühllosigkeit. Ein Leprapatient, der kein Gefühl in seinen Händen hat, verletzt oder verbrennt sich leicht. Dann kommt es leicht zu Infektionen, die vom Patienten aufgrund des mangelnden Schmerzempfindens nicht genügend beachtet werden. Die Infektion kann bei Nichtbehandlung ungehindert fortschreiten, was bis zum Verlust der Gliedmassen führen kann.
Rein medizinisch betrachtet ist der Verlust des Gefühls besonders problematisch: Ein eingeschränkter Tastsinn sowie die Gefühllosigkeit an Händen und Füssen führen leicht zu Verletzungen und Verbrennungen, die nicht oder erst (zu) spät bemerkt werden. Dann kommt es zu Entzündungen, die häufig ungehemmt fortschreiten können und im Endstadium zum Verlust von Gliedmassen führen. Bei Augenerkrankungen kann Blindheit die Folge sein.
Besonders schlimm sind für den Leprakranken die sozialen Probleme, die mit der Krankheit verbunden sind: es kommt immer noch vor, dass von Lepra betroffene Menschen aus ihrem bisherigen gesellschaftlichen Umfeld ausgegrenzt werden. Ein Grund hierfür ist die tiefsitzende, irrationale Angst vor einer Krankheit, die den Menschen so grausam verstümmeln kann. Im Mittelalter galt die Lepra auch bei uns als «Strafe Gottes». Ein Schwerpunkt der Arbeit ist deshalb auch eine intensive Gesundheitsaufklärung in den von Lepra betroffenen Ländern, um durch Information über die Krankheit bestehende Ängste abzubauen.
Die WHO rechnet mit 2,5 bis 3 Millionen Leprakranken. Weltweit werden stündlich 30 neue Leprakranke entdeckt. Im Schnitt leiden von diesen 30 Menschen schon zwei unter schweren Behinderungen, weitere vier werden lebenslang unter Sensibilitätsstörungen zu leiden haben. 5 von ihnen sind Kinder unter vierzehn Jahren. Die Zahl der Neuinfektionen liegt zur Zeit bei ca. 250'000 Personen pro Jahr und hat sich nach einem stärkeren Rückgang zwischen 2002 und 2004 auf diese Grössenordnung eingependelt.
Vor allem in den armen Ländern des Südens ist die Krankheit Lepra immer noch ein großes Problem. Am schlimmsten betroffen ist Indien mit über 50% aller Leprakranken, gefolgt von Brasilien mit ca. 40'000 neuen Fällen pro Jahr. Aus insgesamt 16 Ländern mit jeweils mehr als 1000 Fällen pro Jahr wurden 2009 über 90% aller weltweit vorkommenden Neuerkrankungen gemeldet. In Asien waren dies nebst Indien auch Bangladesh, China, Indonesien, Myanmar (Burma), Nepal, Philippinen und Sri Lanka. In Afrika waren die Länder Äthiopien, Demokratische Republik Kongo, Madagaskar, Mozambique, Nigeria, Sudan und Tansania betroffen.
Ja, Lepra ist heilbar mit einer medikamentösen Behandlung von 6 bis 12 Monaten. In dieser Zeit wird der Lepraerreger mit Hilfe wirksamer Medikamente vollständig abgetötet. Seit 1982 gibt es verschiedene Kombinationstherapien.
Durch Operationen, Physiotherapie, orthopädische Schuhe, Prothesen und andere Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation kann korrigierend geholfen werden. Bleibende Nervenschäden können allerdings nicht behoben werden. Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Lepra-Erkrankung ihr Leben lang behindert bleiben, wird auf weltweit 2 bis 3 Millionen geschätzt.
Um sich mit Lepra anzustecken, bedarf es einen längeren, engen Kontakt mit Infizierten. Die Erkrankung wird durch ein mit dem Tuberkuloseerreger verwandten Bakterium verursacht und spielt in der Reisemedizin praktisch keine Rolle. Ist eine Infektion bei Reisenden erfolgt (z.B. Entwicklungshelfer) ist sie in der Regel durch eine medikamentöse Behandlung gut heilbar, sofern keine grösseren Schädigungen vorliegen.