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Die schleichende Zerstörung

Symptome und Diagnose

Die Leprabakterien greifen vor allem Haut und periphere Nerven an. Die ersten Symptome, die sich beim Ausbruch der Krankheit zeigen, sind meist Hautflecken. Diese erscheinen je nach Hautfarbe der Betroffenen als heller oder dunkler als die Umgebung.

Gefühllose Hautflecken

Charakteristisch für die Lepra ist das fehlende Gefühl innerhalb dieser Hautflecken. Dieser Gefühlsverlust beruht auf der Zerstörung der peripheren Nerven. Zusätzlich kommt es frühzeitig zu Zerstörungen weiterer Nerven des fühlenden und auch des bewegenden Nervensystems. Dies führt zu den typischen Sensibilitätsstörungen und auch zu Lähmungen (am häufigsten in Händen und Füssen, aber auch im Bereich der Gesichtsnerven).

Verlust des Tast- und Schmerzsinns

Ohne Behandlung breitet sich die Infektion in der Haut und im Nervensystem weiter aus. Es kommt zu ausgedehnten Hautveränderungen, zu Lähmungen sowie zum kompletten Verlust des Tastgefühls- und Schmerzsinnes an Händen und Füssen. Wegen mangelhaftem Lidschluss und Gefühllosigkeit der Bindehaut des Auges entwickelt sich eine narbige Blindheit des Auges.

Verletzungen und Verlust von Gliedmassen

Durch Verletzungen der Hände und Füsse entstehen bei fehlender Pflege ausgedehnte sekundäre Infektionen, die auch die Knochen angreifen. So kommt es zunehmend zum Verlust von Gliedmassen und ganzen Körperteilen. Diese Entwicklung kann durch gute Pflege und Vorsorge aufgehalten oder verhindert werden. Das schreckliche Bild des verstümmelten, blinden Leprösen ist die Folge von fehlender medizinischer Betreuung und fehlenden Möglichkeiten der Betroffenen, sich selbst zu helfen – meist aufgrund von Armut und Ausgrenzung.

Die Diagnose der Lepra stützt sich auf die typischen Befunde von Gefühllosigkeit, Muskelschwäche und geschwollenen peripheren Nerven. Besondere Hilfsmittel sind dazu nicht nötig. Zur Sicherung der Diagnose und zur Stadieneinteilung helfen Abstriche der Lymphe der Haut (Skinsmear). Die Leprabazillen können so unter dem Mikroskop untersucht werden.

Behandlung

Seit 1981 wird auf Empfehlung der Weltgesundheits-Organisation (WHO) die Kombinations-Chemotherapie (Multi-Drug-Therapy, MDT) zur Behandlung der Lepra eingesetzt. MDT besteht aus den drei Wirkstoffen Dapson, Rifampicin und Clofazimin. MDT ist äusserst sicher, effizient und kostengünstig. Eine Arzneimittel-Resistenz gegen alle drei Wirkstoffe wurde bisher nicht beobachtet.

Unterbrechung der Infektionskette

Ziel der Behandlung ist die vollständige Abtötung der Bakterien. In der überwiegenden Zahl der Fälle wird dies durch Einnahme der MDT während sechs Monaten bei Patienten mit geringem Bakterienbefall (PB-Patienten) und nach einer 12-monatigen MDT-Behandlung bei starkem Bakterienbefall (MB-Patienten) erreicht. Rückfälle nach abgeschlossener Behandlung gibt es zwar, dies jedoch nur in der Grössenordnung von unter 1%.

Die Frage, ob durch eine längere Behandlungszeit Rückfälle verringert werden können, wird bis heute kontrovers diskutiert. Es gibt jedoch Hinweise, dass bei starkem Bakterienbefall die Dauer der Behandlung eine Rolle bei der Rückfallhäufigkeit spielt. MDT schwächt die Bakterien schon in sehr kurzer Einwirkungszeit, sodass die Patienten nicht mehr infektiös sind. Dadurch wird die Infektionskette unterbrochen.

Übertragung

Heute geht man davon aus, dass die Lepra ähnlich wie die Grippe durch bakterienhaltige Tröpfchen aus der Mund- und Nasenschleimhaut beim Husten oder Niesen übertragen wird. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass das Bakterium bei starkem Befall auch von Haut zu Haut übertragen werden kann.

Forschung

Bisher ist es nicht gelungen, das Mycobacterium Leprae im Reagenzglas zu züchten. Das erschwert die Forschung über Reproduktionszyklen, Stoffwechsel und Übertragungswege des Erregers sowie die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes. Immerhin kann für Forschungszwecke das Leprabakterium im Tierexperiment, insbesondere an der Fusssohle von Mäusen, gezüchtet werden. Die vollständige Analyse der Genstruktur ist inzwischen erfolgt.

Es zeigt, dass das Mycobacterium Leprae ein entwicklungsgeschichtlich sehr alter Erreger ist, der sehr wenig zu Gen-Mutationen neigt. Die Stärke des Bazillus ist nicht seine Anpassungsfähigkeit und Resistenzentwicklung, sondern die Fähigkeit, im Menschen lange Zeit unbemerkt zu verweilen und auch bei Erkrankung wenig auffällige Symptome zu erzeugen, so dass viele Menschen angesteckt werden, bevor Diagnose und Behandlung erfolgen.

Immunität

Nicht jede Person, welche Leprabakterien ausgesetzt ist, erkrankt an Lepra. Offenbar ist das Immunsystem meist in der Lage, eindringende Leprabakterien unschädlich zu machen. Es ist bekannt, dass die Impfung gegen Tuberkulose (Mycobacterium Tuberculosis) auch einen gewissen Schutz gegen Mycobacterium Leprae bewirken kann.

Bis heute ungeklärt bleibt die Frage, warum einzelne Patienten im Verlauf der medikamentösen Behandlung unter entzündlichen Schüben (sogenannten Reaktionen) leiden, während andere davor verschont bleiben. Auch bei diesen entzündlichen Schüben sind immunologische Vorgänge beteiligt. Solche akuten Episoden führen häufig zu verheerenden Nervenschäden und damit zu sekundären Verstümmelungen und Behinderungen.


Weitere Informationen zu unserer Lepra-Arbeit vor Ort finden Sie hier:
Projekte in Afrika
Projekte in Asien

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Kinder und Lepra

Jeder 7. Leprapatient ist ein Kind

Je höher der Anteil an erkrankten Kindern, um so aktiver ist die Lepra in der Bevölkerung: Lepra kranke Kinder sind der traurige Gradmesser der Ansteckungsgefahr in der Bevölkerung.

Drohende Behinderung

Kinder erkranken meist weniger schwer als Erwachsene. Öfter kommt es zu spontaner Heilung. Schwere Behinderungen treten seltener auf als bei Erwachsenen.

Trägt jedoch ein Kind bleibende Behinderungen davon, so ist dies besonders tragisch: Die frühe Behinderung bedroht alle Bereiche der kindlichen Entwicklung: Für armen Familien sind behinderte Kinder eine schwere Belastung.

Behinderte Kinder und ihre Familien sind deshalb von Armut bedroht: Dem behinderten Lepra kranken Kind droht Vernachlässigung und Ausgrenzung aus der Familie.

Behinderte Kinder haben kaum Chancen, eine normale Schulbildung zu bekommen. Wegen Behinderung ist schwere körperliche Arbeit für das Kind oft nicht möglich.

Endstation Betteln

Die Behinderung ist oft das einzige "Kapital" dieser Kinder, sie werden deshalb oft von Erwachsenen zum Betteln erzogen und fristen häufig ihr ganzes Leben als Bettler.

Unterbrechung des Teufelskreises

Fairmed unterbricht den Teufelskreis von Lepra und Armut.

Durch Gesundheitserziehung an Schulen wird die Früherkennung der Lepra gefördert.

Erkrankte Kinder bekommen besondere Aufmerksamkeit während der Behandlung. Die Familien der erkrankten Kinder bekommen eine angemessene Unterstützung.

Beginnenden Behinderungen wird durch frühzeitige Krankengymnastik vorgebeugt. Wenn nötig, wird durch Chirurgie (Nervenverpflanzungen) die Beweglichkeit von Händen und Beinen bestmöglichst wieder hergestellt.

Die Schulausbildung wird durch Übernahme der Kosten einer normalen Schule (Schulgeld, Schulkleidung, Schulweg) gefördert. Nach Abschluss der Schule wird auch die Berufsausbildung für Lepra-kranke Kinder unterstützt.

Alle diese aufwändigen Massnahmen werden von FAIRMED, ehemals Leprahilfe Emmaus Schweiz, finanziert.

Bildung für Arme

Besonders in Indien haben viele Lepraspitäler integrierte Schulen aufgebaut. Diese sind für normale und behinderte Kinder gleichermassen offen. Solche Schulen ermöglichen heute bezahlbare Schulbildung für Kinder aus armen Familien, seien sie von Lepra betroffen oder einfach "nur" arm.