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Tuberkulose, der tödliche Begleiter

Tuberkulose – eine alte Krankheit

Tuberkulose gibt es wahrscheinlich seit prähistorischen Zeiten. Die Existenz von Mycobakterien in der Umgebungswelt weist darauf hin, dass diese Keime schon lange in Umwelt und auch in Tieren und Menschen lebensfähig waren.

Belegt ist die Erkrankung beim Menschen aus einer Zeit vor 4'000 Jahren. Skelettüberreste von prähistorischen Menschen aus jener Zeit zeigten Spuren der Krankheit. Tuberkulöse Zerstörung wurde auch in Knochen ägyptischer Mumien von 3000-2400 v. Chr. gefunden. Auch in Indien und Amerika gibt es Hinweise auf das Vorkommen von Tuberkulose um 2000 v. Chr. Um 460 v. Chr. kennzeichnete Hippokrates „Phthisis“ (griechisch für Schwund) als die weitest verbreitete Krankheit aller Zeiten, die fast immer tödlich verlaufe.

Tuberkulose in Europa

Tuberkulose verursachte im 19. und frühen 20. Jahrhundert allgemeines Interesse. Die Krankheit wütete unter den städtischen Armen der Industriellen Revolution. Mit den Menschen in engen Massenquartieren mit schlechter Ernährung hatte die Tuberkulose ähnlich leichtes Spiel wie heute mit den Bewohnern der Slums in den Megastädten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas.

1815 war in England Tuberkulose die Ursache eines jeden vierten Todesfalles. Im Jahre 1850 verursachte die Tuberkulose in Europa etwa 500 Todesfälle pro 100’000 Einwohner. Noch im Jahre 1918 starb in Frankreich jeder Sechste an Tuberkulose.

Tuberkulose-Sanatorien

Das erste Tuberkulose-Sanatorium wurde 1859 in Polen eröffnet. Danach breitete sich das Konzept der Kurbehandlung der Tuberkulose vor allem für die wohlhabenden Schichten rasch aus.
Die Erkenntnis wurde gewonnen, dass gutes Essen, ausgewogene körperliche Aktivität und gesundes Klima die Krankheit überwinden halfen. Trotzdem starben bis zur Hälfte aller Patienten weiterhin an der Erkrankung. In dem Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann erlangte das Leben in einem Sanatorium literarische Berühmtheit.

Der Kampf gegen Tuberkulose

Nach der Erkennung der Krankheit als ansteckende Infektionskrankheit wurde die Tuberkulose ab etwa 1880 eine meldepflichtige Krankheit in den meisten europäischen Ländern.
Die Isolation der Erkrankten und die Vermeidung des infektiösen Auswurfs wurden als Mittel erkannt, die Ausbreitung zu verhindern.

Es gab Kampagnen zum Vermeiden des Ausspuckens auf öffentlichen Plätzen und die angesteckten Armen wurden „angeregt“, in Sanatorien zu gehen, die eher Gefängnissen ähnelten.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Tuberkulose in den entwickelten Ländern zurückdrängen lassen. Schon vor dem Einsatz des ersten Antibiotikums gegen Tuberkulose, dem Streptomycin (1956), hatte sich die Häufigkeit auf ein Drittel der ursprünglichen Fälle reduziert. Dieser Rückgang ist im Wesentlichen auf die sozioökonomische Entwicklung mit der Verbesserung von Wohnsituation, Hygiene und Ernährung zurückzuführen.

Ein Erreger, eine Krankheit

Wegen der Vielzahl ihrer Symptome wurde die Krankheit bis in das frühe 19. Jahrhundert nicht als einheitliche Krankheit erkannt.
Im Jahre 1839 benannte der Arzt Johann Lukas Schönlein die Krankheit „Tuberkulose“, dies nach spezifischen Veränderungen, die das Gewebe von an Tuberkulose verstorbenen Menschen regelmässig zeigte. Das Bakterium Mycobacterium Tuberculosis wurde am 24. März 1882 durch Robert Koch in Berlin beschrieben. Er erhielt 1905 für diese Entdeckung den Nobelpreis in Physiologie und Medizin. Koch glaubte nicht, dass sich die Tuberkulose der Kuh (bovine TB) und die des Menschen ähnlich waren, was die Identifikation infizierter Milch als Quelle der Erkrankung zunächst verhinderte.

Später wurde diese Infektionsquelle erkannt und das Verfahren der „Pasteurisierung“ (Erhitzung) der Milch ermöglichte auch die Eindämmung der Darm-Tuberkulose. Koch entwickelte 1890 einen Glycerin-Extrakt der Tuberkelbazillen als Hilfsmittel zur Erkennung der Tuberkulose und nannte ihn Tuberkulin. Dieser Hilfsstoff war zwar nicht für eine Impfung geeignet, allerdings dient er auch heute noch in abgewandelter Form als Test für das Vorliegen einer immunologischen Reaktion des menschlichen Organismus auf Tuberkulose.

Impfung gegen Tuberkulose

Der erste echte Erfolg bei der Immunisierung gegen Tuberkulose wurde von Albert Calmette und Camille Guerin 1906 mit ihrem „BCG“-Impfstoff erreicht. Dieser wurde zuerst am 18. Juli 1921 in Frankreich am Menschen angewendet. Nationalistische Strömungen verhinderten einen weltweiten Gebrauch bis nach den Zweiten Weltkrieg. Bis heute ist dieser Impfstoff der einzige gegen die Tuberkulose.

Antibiotika gegen Tuberkulose

1946 mit der Entwicklung des Antibiotikums Streptomycin wurde neben der Prävention die aktive Behandlung möglich. Davor war nur die chirurgische und die Isolation und Kurbehandlung bekannt. In Folge wurden rasch weitere wirksame Antibiotika entwickelt.

So wurde es möglich, dass aus einer langjährigen Isolationsbehandlung eine sechs bis acht Monate währende ambulante Therapie wurde.

Die letzten Sanatorien wurden in Europa in den 60er Jahren geschlossen.

 

Weitere Informationen zu unserer Tuberkulose-Arbeit vor Ort finden Sie hier:
Projekte in Afrika
Projekte in Asien

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Die latente Bedrohung

Die Tuberkulose ist nicht besiegt

Hoffnungen, dass die Krankheit vollständig beseitigt werden könnte, sind seit dem Auftreten von antibiotikaresistenten Stämmen in den achtziger Jahren zerstört worden.

Die Seltenheit der Erkrankung in der entwickelten Welt beruht im Wesentlichen auf dem Erhalt einer guten Volksgesundheit und wirksamen Kontrollmassnahmen.

Beispiele für die Wiederkehr der Tuberkulose gibt es nicht nur in den Ländern Afrikas. Wegen der Vernachlässigung des öffentlichen Gesundheitswesens in New York in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es ein Wiederaufleben der Tuberkulose in den achtziger Jahren.

Tuberkulose in New York

Auch in New York traf es die Armen, die besonders anfällig für Tuberkulose waren. Ohne sachkundige Begleitung brachen viele Tuberkulose Kranke ihre Behandlung zu früh ab. Das Ergebnis waren resistente Tuberkulose Bakterien, die die plötzlich die öffentliche Gesundheit der ganzen Bevölkerung bedrohten.

New York musste mit mehr als 20’000 neuen Tuberkulose Patienten mit antibiotikaresistenten Stämmen fertig werden. Nur durch massiven Einsatz von Geld und Personal für die Tuberkulose-Bekämpfung konnte die Epidemie in New York besiegt werden.

Tuberkulose in Osteuropa

Eine ähnliche Katastrophe spielte sich in den Ländern der früheren Sowjetunion in den 90er Jahren ab: Der Zusammenbruch des Sozialismus liess auch die Tuberkulose-Fürsorge kollabieren. Zusammen mit der dramatischen Armutsentwicklung vervielfachte sich die Tuberkulose innerhalb von wenigen Jahren.

Inzwischen sind durch massive finanzielle Hilfen für die betroffenen Länder in Osteuropa die Tuberkulose Zahlen wieder rückläufig. Dennoch ist Osteuropa auch heute noch die Quelle hoch-aggressiver, medikamentenresistenter Tuberkulose-Stämme.

Tuberkulose in Afrika

Wurde in den 1980er Jahren auch in Afrika auf ein Sieg gegen die Tuberkulose gehofft, so stehen dort seit den 1990er Jahren die Zeichen auf Sturm. Mit einer Verzögerung von etwa sieben Jahren folgt die Tuberkulose-Epidemie der HIV-Epidemie.

Besonders betroffen sind die Länder des südlichen Afrikas. In Sambia, Malawi, Zimbabwe, Botswana und Südafrika sind bis zu 70% der Tuberkulose-Patienten HIV-positiv. Die Anzahl der Tuberkulose Fälle steigt dadurch ständig weiter an.

Extrem resistente Tuberkulose

Seit 2006 mehren sich die Berichte über die sogenannte X-DR (extrem resistente Tuberkulose). Die Krankheit ist vor allem in Südafrika zu finden, wo sie über 80% der Erkrankten in kurzer Zeit tötet. Die Bazillen sind gegen alle gängigen TB-Medikamente resistent und haben dort schon über 100 Menschen getötet. Ohne wirksame Gegenmittel bleibt oft nur, die Betroffenen im Spital zu isolieren, um die Bevölkerung vor der Ansteckung zu schützen. Auch X-DR ist die Folge von mangelhafter Kontrolle und Begleitung der Tuberkulosebehandlung.