

Die Elfenbeinküste war lange Zeit ein Musterland Westafrikas. Seit Beginn des neuen Jahrtausends haben jedoch politische Krisen und ein Bürgerkrieg das Land an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds gebracht. Inzwischen gehört es zu den zwölf ärmsten Ländern der Welt. Zwar erholen sich die staatlichen Gesundheitsdienste langsam, doch grosse Teile der 19 Millionen Einwohner haben nach wie vor keinen Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung.
Seit 2007 unterstützen wir an den Ufern eines kleinen Stausees in Raffierkro bei Bouaké ein Modellprojekt der Gemeindegesundheit und der Prävention von Infektionskrankheiten. Seit 2008 sind wir zudem am Staudamm von Taabo in Tiassalé an einem Projekt zur Bekämpfung von vernachlässigten Krankheiten beteiligt. Ziel beider Projekte ist, die Gesundheit der Dorfbevölkerung durch Hilfe zur Selbsthilfe und durch die Stärkung von dezentralen Gesundheitsposten zu verbessern. Wir legen das Schwergewicht auf die Gesundheit von Kindern und Frauen und bekämpfen gleichzeitig Armutskrankheiten.

Von diesen vernachlässigten Krankheiten gibt es in der Elfenbeinküste viel zu viele: Fast alle Kinder sind chronisch mit Würmern infiziert, an den Ufern von Gewässern haben mehr als die Hälfte der Kinder zusätzlich Blasen- und Darmbilharziose. Die Kinder werden schneller müde, sind anfälliger für andere Krankheiten und entwickeln sich körperlich und intellektuell langsamer.
Präventionsprogramme gibt es in der Elfenbeinküste seit Jahren nicht mehr, so dass die Menschen den chronischen Krankheiten schutzlos ausgeliefert sind. Weitere gesundheitliche Bedrohungen sind Flussblindheit, Filariose (Elefantiasis) sowie Lepra und Buruli. Viele Säuglinge und Kleinkinder sterben an behandelbaren Durchfallerkrankungen, Malaria und Lungenentzündungen.

Als Partner vor Ort haben wir das von Schweizern im Jahre 1951 gegründete Centre Suisse des Recherches Scientifiques (CSRS) in Abidjan gewonnen. Die Universität Cocody in Abidjan liefert das technische Know-how, so dass wir unsere neuen Projekte ausschliesslich mit lokalen Experten durchführen können.
Die Umgebung der Stadt Bouaké wurde vom Bürgerkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die staatlichen Gesundheitsposten wurden entweder zerstört oder geplündert. Das Personal ist geflohen.
Diese Situation gilt auch für das ehemalige Lepradorf Raffierkro und weitere vier Gemeinden um den neugebauten Staudamm. In solch einer prekären Lage helfen wir, indem wir die Selbstorganisation der Gemeinde bei der Gesundheitsversorgung stärken.
Viele Probleme können mit einfachen Mitteln behandelt werden, wenn Medikamente und notwendiges Wissen vorhanden sind. Nur wenige Kranke müssen in ein Gesundheitszentrum fahren.In den fünf Gemeinden bauen wir Gemeindeapotheken auf und schulen Freiwillige, die diese Apotheken verwalten.
Zum Selbstkostenpreis sind so Behandlungen z.B. gegen Malaria, Parasiten und andere Infektionen möglich. Zusätzlich fördern wir die Gesundheitsaufklärung, um neue Erkrankungen wegen dem Staudamm zu verhindern (Bilharziose, Malaria und Darm-Würmer treten gehäuft in der Nähe von Gewässern auf).
Die Kinder werden regelmässig auf Bilharziose, Malaria und Würmer untersucht und behandelt. 2007-2009 fanden über 2‘000 Untersuchungen bei Kindern statt, fast 1’500 Behandlungen gegen Würmer und Bilharziose wurden dabei nötig.
