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Kamerun

Buruli in Kamerun

Die Zahl der burulikranken Menschen in Kamerun ist schwer zu bestimmen, die Dunkelziffer ist hoch. In den betroffenen Gemeinden entlang der verseuchten Gewässer hat oft jede Familie ein Buruliopfer zu beklagen. Es gibt noch immer etwa 2000-4000 Betroffene landesweit, davon werden bisher nur rund 30% medizinisch wirksam behandelt. Die anderen suchen ihr Heil in der traditionellen Medizin oder erhalten gar keine Hilfe. Das Resultat sind schwere Verstümmelungen. Da der Grossteil der Betroffenen Kinder sind, ist eine Buruli-Erkrankung gleichbedeutend mit lebenslangem Leiden. Die Infrastruktur für die Behandlung schwerer Burulifälle im Spital von Ayos haben wir mit drei dezentralen Behandlungszentren ergänzt. Gemeindefreiwillige informieren die Bevölkerung in den Dörfern und begleiten Betroffene bei der Behandlung. Durch diese Dezentralisierung erreichen wir mehr Kinder in einem frühen Stadium der Erkrankung. Dadurch wird die Behandlung billiger und kürzer und die Kinder leiden weniger an Behinderungen. Um die Früherkennung von Buruli weiter zu intensivieren, schulen und unterstützen wir unzählige Gemeindefreiwillige in den betroffenen Gebieten.

Kampf gegen Stigma

Viele Menschen in Kamerun verbinden Buruli mit Hexerei und sehen die Krankheit als Strafe für soziales Fehlverhalten. Mit Aufklärungskampagnen zeigen wir, dass es sich um eine normale und behandelbare Erkrankung handelt.

Umfassende medizinische Hilfe

Wir stellen Mittel und Know-how für die medizinische Infrastruktur, für die Ausbildung von Gemeindefreiwilligen und von Ärzten und Pflegepersonal zur Verfügung. Das nationale Referenzzentrum am Spital von Ayos bietet die chirurgische Behandlung komplizierter Burulifälle an. In vier weiteren Regionen mit hoher Burulihäufigkeit unterstützen wir Behandlungszentren: Atok, Bankim, Mbongwe und Mbalmayo.

Komplexe Chirurgie, Rehabilitation und Physiotherapie

Trotz besserer Früherkennung gibt es weiterhin schwere Verstümmelungen, die operiert und rehabilitiert werden müssen. Den meisten Betroffenen kann das lokale Operationsteam in Ayos helfen. Für die besonders schweren Fälle haben wir ein medizinisches Austauschprogramm eingerichtet: Einmal im Jahr fahren spezialisierte Chirurgen aus der Schweiz nach Ayos und operieren innerhalb von zwei Wochen dreissig bis sechzig Patienten. Die Ergebnisse stellen für die Betroffenen oft Wunder dar. Das Programm dient zudem der Schulung des lokalen Personals. 

Da Burulikranke mit Behinderungen intensiv betreut werden müssen, haben wir ein Programm für die Rehabilitation und Physiotherapie entwickelt. Seit 2009 wird dieses Programm mit einem „Handbuch zur einfachen Buruli-Rehabilitation“ als Standardwerk von der WHO verbreitet. Aufbauend auf einfachsten Grundkenntnissen vermittelt es praktische Möglichkeiten, wie im Spital, im Gesundheitsposten, in der Gemeinde und in der Familie behinderte Glieder wieder funktionstüchtig werden.

Weitere Informationen zu Buruli Ulcer

Lepra in Kamerun

In Kamerun ist Lepra dank wirksamer Medikamente und dank unseres Einsatzes seltener geworden. Dennoch erkranken jährlich ca. 400 Menschen neu. Diese kommen aus wenigen Regionen, in denen die Krankheit weiterhin recht häufig vorkommt. Lepra bleibt eine Bedrohung und ohne weitere Massnahmen könnte sie sich wieder ausbreiten. Um dies zu vermeiden, schulen wir Gemeindefreiwillige. Sie lernen, wie sie Lepra rechtzeitig erkennen, stellen sicher, dass Kranke die notwendigen Medikamente bekommen und begleiten sie während der Behandlung.

Integration der Behinderten

In fast 30 Leprosarien leben viele Schwerstbehinderte. Wir unterstützen Betroffene, ein eigenes Haus und ein kleines Geschäft aufzubauen, um sich wieder in ihre Dorfgemeinschaft  zu integrieren.  Die Alten und Kranken, die oft schwer von Lepra gezeichnet sind, sind aber weiterhin auf unsere Unterstützung in den Leprosarien angewiesen, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können

Weitere Informationen zu Lepra

Tuberkulose in Kamerun

Tuberkulose ist die tödlichste Volkskrankheit in Kamerun. Etwa 35‘000 Menschen erkrankten daran im 2007, nur etwa 25'000 Menschen wurden behandelt, rund 5'000 sind an der Krankheit gestorben. Tuberkulose trifft vor allem die Armen. Diese sind oft schlecht ernährt, haben ein schwaches Immunsystem und leben eng zusammen. Deshalb ist die Krankheit in den Slums der Städte und bei fehlernährten marginalisierten Gruppen auf dem Lande besonders häufig.

Gemeindefreiwillige gegen Tuberkulose

Wo wir Gemeindefreiwillige schulen, ist neben Buruli und Lepra auch die Früherkennung von Tuberkulose und die Begleitung von Kranken bei der Behandlung ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Nur eine vollständige Behandlung von sechs bis acht Monaten kann die Betroffenen heilen. Die Freiwilligen unterstützen die Kranken dabei und helfen so, Therapieabbrüche zu verhindern.

Wir unterstützen die zeitweilige Versorgung der Tuberkulosekranken mit zusätzlicher proteinreicher Nahrung. Gerade in den ersten zwei Monaten sind die Kranken oft unterernährt und schwach. Die meisten Todesfälle passieren in dieser Phase der Behandlung. Zusätzliche Nahrung stärkt die Kranken und rettet Leben.

Qualitätssicherung

Erfolge im Kampf gegen Tuberkulose hängen von der Qualität der Gesundheitsdienste ab. Die richtige Diagnose und Behandlung erfordert Fachwissen. Wir unterstützen die staatlichen Gesundheitsdienste durch Schulungen und Supervision und tragen so dazu bei, dass mehr Menschen geheilt werden.

Weitere Informationen zu Tuberkulose

Gesundheit für Bankim

Hohe Mütter- und Säuglings-sterblichkeit, tiefe Impfraten, Malaria, Tuberkulose, HIV/Aids  und Behinderungen durch Lepra oder Buruli – so sieht die Realität in Bankim im Nordwesten Kameruns aus.

Im Distrikt Bankim leben 72000 Menschen hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehzucht. Eigentlich gibt es genügend Gesundheitszentren, nur werden diese kaum genutzt: mangelhafte Ausrüstung, fehlende Medikamente, teilweise ungenügend ausgebildetes Personal sind einige der Gründe dafür. Aber auch das fehlende Bewusstsein der Bevölkerung, dass sie selber an ihrer Situation etwas verändern kann.

Hier setzt das Projekt von FAIRMED an:
1. Die Bevölkerung lernt, für ihre Interessen einzustehen.
2. Die Qualität der Pflege wird verbessert.
3. Buruli Ulcer wird effizienter behandelt.
4. Die Verbesserungen bleiben nachhaltig bestehen.

Daten zum Projekt
Laufzeit: 2010-2013
Kosten: 451'541 Franken, davon bisher 195'000 gedeckt
Messgrössen:
1. Reduktion der Todesfälle bei Müttern und Kleinkindern um 50%
2. Erhöhung der Heilungsrate von vernachlässigten tropischen Krankheiten von 50% auf 90%

Die Arbeit in Bankim wird finanziell unterstützt von


Gemeindegesundheit in Abong Mbang

Die Pygmäen Kameruns leben am Rande der Gesellschaft. Ihr Lebensraum wird durch Abholzung bedroht, sie werden gezwungen sich niederzulassen und ein ihnen ungewohntes Leben als sesshafte Menschen führen. Ihre Ernährungslage ist prekär, ihre Kinder sind unterernährt und von Parasiten befallen.

Jedes fünfte Kind stirbt vor dem fünften Geburtstag, jede zehnte Frau überlebt die Geburt ihrer Kinder nicht. Sie sind weitgehend ohne Rechte und fast ohne Zugang zur medizinischen Versorgung. So sterben sie oft an Krankheiten, die ohne weiteres heilbar wären.

Die Liste der Bedrohung ist lang, darunter auch Lepra, Tuberkulose, Malaria, Lungenentzündungen, Typhus, bakterielle Durchfälle und viele parasitäre Erkrankungen.

Stärkung der Hilfe zur Selbsthilfe

Seit 2008 führen wir ein Projekt speziell für die Pygmäen im Osten Kameruns durch. Im Distrikt Abong Mbang helfen wir ca. 30'000 Menschen, sich besser zu organisieren und sich eine Stimme zu verschaffen.

Aus der Dorfgemeinschaft werden Freiwillige zu Gesundheitshelfern ausgebildet. Diese können für die häufigsten Krankheiten die oft lebensrettende Behandlung veranlassen und beraten die Menschen ausserdem über Hygiene und Ernährung. Wir schulen die traditionellen Hebammen, damit sie Geburten besser begleiten und Risikoschwangerschaften rechtzeitig erkennen können.

Eine Gemeinschaftskasse stellt das nötige Geld bereit, wenn Behandlungen im Spital nötig werden. Unser Partner vor Ort heisst CADDAP, eine von den Pygmäen selbst gegründete Organisation. Durch die Arbeit mit den Pygmäen für die Pygmäen und dem konsequenten Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe sind wir zuversichtlich, dass sich in den vier Jahren des Projektes (2008–2011) die Gesundheitssituation und die Lebenslage der Waldmenschen in Abong Mbang deutlich verbessern wird.

Besserer Zugang zur Gesundheitsversorgung

Oft sind die Gesundheitszentren in Kamerun verfallen, verlassen oder ohne Medikamente, so auch in Abong Mbang. Kranke müssen deshalb oft viele Kilometer zum Spital fahren. Das ist teuer und dauert lang. So sterben viele unnötigerweise, zum Beispiel bei komplizierten Geburten oder tödlichen Krankheiten wie Malaria.

Um den Pygmäen den Zugang zur Versorgung zu erleichtern, verbessern wir die Qualität der Gesundheitszentren in Abong Mbang: Wir schulen die Gesundheitsarbeiter, beschaffen Medikamente und Ausstattung, stellen Motorräder zur Verfügung für einen mobilen Gesundheitsdienst in den Dörfern und unterstützen die Supervision und Qualitätssicherung der medizinischen Arbeit.

Diese Massnahmen kommen sowohl den Pygmäen als auch der sesshaften Bevölkerung, den sogenannten Bantu, zu Gute. Die Bantu haben zwar bessere Lebensbedingungen als die Waldmenschen und geniessen volle Bürgerrechte, aber auch sie leben oft in Armut und vor auch ihre Kinder und Mütter sind von Krankheit und Tod bedroht.