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185 Gesetze diskriminieren Menschen mit Lepra

Anfang Juni 2018 veröffentlichte die internationale Vereinigung der Anti-Lepraorganisationen ILEP die aktuellsten Zahlen ihrer Studie zu Gesetzen, die Lepra-Betroffene benachteiligen. Die Ergebnisse offenbaren ein grundlegendes Menschenrechts-Problem.

In 2016 wurden in Indien rund 30 diskriminierende Gesetze gegen Lepra-Betroffene aufgehoben, trotzdem erleben Lepra-Betroffene weiterhin Diskriminierung.


«Diskriminierende Gesetze gegen Lepra-Betroffene sind ein grundlegendes Menschenrechtsproblem und müssen unbedingt abgeschafft werden», schreibt Mathias Duck, Vorsitzender des ILEP-Gremiums der Männer und Frauen betroffen von Lepra in seinem Aufruf an den Menschenrechtsrat. Das Stigma, welches der vernachlässigten Tropenkrankheit Lepra anlastet, hat nicht nur soziale Ausgrenzung zur Folge. In vielen Ländern werden Lepra-Betroffene auch von Gesetzes wegen benachteiligt: Das zeigen die neuesten Resultate einer Studie, welche die ILEP in 44 Ländern durchführte. Insgesamt185 Gesetze schränken das Leben und die Selbstbestimmung von Lepra-Betroffenen stark ein. Unter anderem schreiben diese Gesetze ihre Wohnsituation, ihre Reisefreiheit vor und regeln sogar ihr Recht auf Heirat und Scheidung. Am 38. Zusammentreffen des Menschenrechtsrates in Genf rief die ILEP die anwesenden Länder dazu auf, sich aktiv an der Abschaffung solcher Gesetze zu beteiligen.

Indien ist traurige Nr.1
Obwohl die Resolution zur «Abschaffung der Diskriminierung von Menschen mit Lepra und deren Familienmitglieder» im März 2011 von der UNO verabschiedet wurde, zeigt die Studie, dass zahlreiche gesetzliche Grundlagen die Diskriminierung von Lepra-Betroffenen rechtfertigen. Besonders bedenklich ist die Situation in Indien: Das Land hat nicht nur die höchste Anzahl Lepra-Patienten (über 60 Prozent), sondern auch die meisten Gesetze (rund Dreiviertel), die Lepra-Patienten diskriminieren.