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«Geduld trotz Quarantäne, ist mein Motto!»

Seit einem Jahr ist der 44-jährige Franzose Emmanuel Cour im Einsatz für FAIRMED. Der Programm-Manager ist verantwortlich für die FAIRMED-Projekte in Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik. Emmanuel Cour, der mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern im Elsass in Frankreich lebt, steht derzeit selber unter strenger Quarantäne und erzählt, was die besonderen Herausforderungen und Massnahmen in Corona-Zeiten für die FAIRMED-Projekte in Afrika bedeuten.

 

FAIRMED: Was sind die besonderen Herausforderungen in der Zentralafrikanischen Republik angesichts der Corona-Pandemie?

Emmanuel Cour: Wir unterstützen das Gesundheitsministerium und die Distrikte, in denen wir arbeiten, bei der Einführung von Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, um das mögliche Risiko einer Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen und die Bevölkerung für grundlegende Hygienemassnahmen zu sensibilisieren. Das Risiko einer Ansteckung ist auch für das Gesundheitspersonal, das an vorderster Front steht, beträchtlich. Durch Eindämmungsmassnahmen oder Reisebeschränkungen besteht ausserdem das Risiko, dass unsere Begünstigten keine medizinische Hilfe mehr erhalten. Um dies zu verhindern, beobachten wir die  Situation laufend und bemühen uns, angemessen auf die Corona-Krise zu reagieren.

Am 23. März 2020 gab es vier Fälle von Corona in der Zentralafrikanischen Republik, die alle importiert wurden.

Ja, heute sind es zwölf offiziell bestätigte Corona-Fälle, und wir wissen nicht, wie sich die Situation entwickeln wird. Die zentralafrikanische Regierung hat mit Unterstützung ihrer Partner, darunter FAIRMED, Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ergriffen. FAIRMED hat mit eigenen Mitteln vor Ort Masken, Handschuhe, Seifen, Chlor, Chlorkanister und Kanister mit Wasserhähnen gekauft, die verteilt und in den Gesundheitsstrukturen, mit denen wir zusammenarbeiten, installiert worden sind. Der Schutz des Gesundheitspersonals ist das Werkzeug, mit dem wir die Regierung unterstützen. Wir haben sowohl die FAIRMED-Büros als auch die 38 Gesundheitseinrichtungen mit verschiedenen Geräten ausgestattet, um die Präventionsmassnahmen zu verstärken.

FAIRMED treibt auch die Sensibilisierung für Corona in der Zentralafrikanischen Republik voran.

Ja. Einerseits wollen wir die Gesundheitseinrichtungen weiterhin ausstatten und den Bestand an bereitgestellter Ausrüstung erneuern, andererseits treiben wir die Aufklärungs- und Kommunikationsaktivitäten für das Gesundheitspersonal und die Gemeinschaften voran. Mit Postern und Plakaten informieren wir die Bevölkerung über Schutzmassnahmen, um die Ausbreitung von Corona zu verhindern. 

Wie könnte sich die Corona-Situation in der Zentralafrikanischen Republik entwickeln?

Offiziell gibt es in der Zentralafrikanischen Republik erst 12 bestätigte Corona-Fälle. Im Moment scheint die Situation unter Kontrolle zu sein – wenn es so bleibt und sich nicht weiter verschlechtert. Sollte sich aber Corona in der Zentralafrikanischen Republik ausbreiten, wäre das eine Katastrophe: Das Land verfügt weder über die medizinischen Instrumente noch über genügend Personal, um Corona-Patienten angemessen zu versorgen und eine angemessene Reaktion zu ermöglichen, ganz zu schweigen von den vollständig fehlendenden Einrichtungen für die Intensivpflege. Das Gesundheitssystem ist sehr fragil, und wenn es eine Zunahme kritischer Fälle gibt, die eine Notfallintervention erfordern, wird dies ein unlösbares Problem sein.

Wie sieht die Situation in Kamerun aus?

In Kamerun gibt es mehr Fälle als in der Zentralafrikanischen Republik, und die Regierung hat auch Massnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Corona-Virus in der Bevölkerung zu stoppen. Das Tragen von Masken ist jetzt in den Städten und auf öffentlichen Plätzen obligatorisch. Wir haben Massnahmen für unsere Teams, unsere Büros und Gesundheitseinrichtungen ergriffen. FAIRMED hat mit eigenen Mitteln vor Ort Masken, Handschuhe, Seifen, Chlor, Chlorkanister und Kanister mit Wasserhähnen gekauft, die verteilt und in den Gesundheitseinrichtungen installiert wurden.

Du lebst ja im Elsass in Frankreich und bist mit deiner Familie seit Wochen strengsten Quarantäne-Vorschriften unterworfen. Wie erlebst du das?

Wir sind seit dem 17. März und noch bis mindestens am 11. Mai in Quarantäne und dürfen das Haus nur für dringende Geschäfte, allein und in einem Umkreis von maximal einem Kilometer verlassen. Aber da fast die Hälfte der Menschen dieser Welt mit teilweise sehr restriktiven Maßnahmen zuhause eingesperrt ist und die grosse Mehrheit von ihnen unter sehr viel schwierigeren Bedingungen als wir zu leben hat, kann ich das relativieren: Verliere nicht die Geduld trotz Quarantäne, ist mein Motto!