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Armut macht krank

Wer mit wenig Geld auskommen muss, setzt die eigene Gesundheit oft an letzter Stelle. In einem starken Gesundheitssystem haben armutsbetroffene Menschen trotzdem Zugang zu Gesundheit – in vielen Regionen Afrikas und Asiens ist das aber nicht der Fall.

Während die privaten Ausgaben in der Schweiz über 30% betragen, liegt der private Anteil in Indien und Kamerun weit über 60%. Grafik: ourworldindata.org

Wenn das Gesundheitssystem versagt, trifft es die Ärmsten
Weltweit können rund 100 Millionen Menschen1 keine Gesundheitsdienstleistungen beziehen, ohne in finanzielle Not zu geraten. In vielen Ländern wird ein Grossteil der Gesundheitsausgaben durch sogenannte «Out-of-Pocket»-Zahlungen von den privaten Haushalten getragen. Statistiken der Weltbank zeigen deutliche Unterschiede zwischen einkommensstarken und einkommensschwachen Ländern. Während in reichen Ländern «Out-of-Pocket»-Zahlungen unter 30% 2 liegen, machen die privaten Gesundheitsausgaben in ärmeren Ländern mehr als doppelt so viel aus. Angesichts dieser Tatsachen ist die Erreichung von Ziel 3 der nachhaltigen Entwicklungsziele3 umso bedeutender.

Gute Gesundheit ist Luxus
Aber auch innerhalb der einzelnen Länder klafft die soziale Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander. Einer der Hauptgründe dafür sind mangelnde finanzielle Ressourcen im Gesundheitssektor. Dieser Mangel hat zur Folge, dass die Kosten für Medikamente und Behandlung auf den Patienten abgewälzt werden. Deshalb verzichten vor allem armutsbetroffene Menschen auf Arztbesuche, Behandlungen und Medikamente. Doch auch eine Nicht-Behandlung hat schwerwiegende Folgen: Krankheit kann zu Arbeitsunfähigkeit führen, was wiederum zum Lohnausfall führt. Dadurch steigt das Risiko, in die Armutsfalle zu geraten und dort gefangen zu bleiben. Studien aus Indien und Kamerun untermauern dies.

Ungleichheit ausgleichen
Ein gutes Gesundheitsfinanzierungssystem entscheidet nicht nur über die Höhe der privaten Ausgaben, sondern auch darüber, ob bestimmte Leistungen überhaupt zur Verfügung stehen. Das Konzept der universellen Gesundheitsversorgung (UHC)4 hat eine gerechtere Gesundheitspolitik für alle Gesellschaftsgruppen zum Ziel. Basierend auf der Idee «Gesundheit für alle» sollen weltweit Gesundheitsreformen stattfinden, die den Zugang zu qualitativ hochstehenden und bezahlbaren Gesundheitsdiensten vereinfachen. Dazu gehören nicht nur finanzielle Absicherungen wie Lohnersatzleistungen und Subventionen (z.B. Prämienverbilligungen), sondern auch Programme zur Prävention, Behandlung und Rehabilitation.

FAIRMED beginnt bei den Ärmsten
Programme zur Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten öffnen den Zugang zu Gesundheitsversorgung für jene Bevölkerungsgruppen, die am schwierigsten zu erreichen sind. Denn vernachlässigte Tropenkrankheiten treten mehrheitlich bei armen Bevölkerungsgruppen und in abgelegenen, ländlichen Gebieten auf. Aufgrund ihrer finanziell schlechten Lebenslage und abgeschiedenen Lebensweise kommen diese Menschen nur selten in den Genuss des lokalen Gesundheitssystems. Die FAIRMED-Projekte ermöglichen, dass diese Menschen besser in das Gesundheitssystem einbezogen werden.

Gemeinsam mit der Regierung und der Bevölkerung werden einfache Gesundheitsstrukturen aufgebaut, welche die Out-Of-Pocket-Zahlungen minimieren: So baut FAIRMED Gesundheitsposten nahe der Gemeinschaften auf und stellt dort die nötigen Medikamente bereit. Damit werden indirekte Kosten wie Transportkosten gering gehalten. Zudem unterstützt FAIRMED die Bevölkerung beim Aufbau von Versicherungsstrukturen in Form von solidarischen Gemeinschaftsfonds und fordert die Regierung dazu auf, mehr in die Gesundheit zu investieren. Schliesslich wird die Bevölkerung dazu befähigt, diese Strukturen selbst zu verwalten und ihre Gesundheitsanliegen vor der Regierung zu vertreten. So gelingt es FAIRMED, die Verbreitung von vernachlässigten Tropenkrankheiten einzudämmen und die Ungleichheit beim Zugang zu Gesundheitsversorgung zumindest etwas auszugleichen.