|

Lepra kein Scheidungsgrund mehr

Erster Schritt im Kampf gegen die Diskriminierung von Lepra-Patienten: Das Regierungskabinett in Neu Delhi hat einem Gesetz zugestimmt, dass Lepra als Grund für eine Scheidung zukünftig verbietet. Ob die soziale Stigmatisierung damit jedoch aus der Welt geschafft werden kann, bleibt offen.

Lepra geht bis heute mit einer Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung einher

Kein anderes Land hat mehr Gesetze, die Lepra-Patienten diskriminieren als Indien. Einer, der dies täglich am eigenen Leib erfahren muss, ist der von Lepra betroffene Inder Ganesh Muthusamy. Zur neuen Vorlage sagt er im Gespräch mit FAIRMED: «Dies ist nur ein kleiner Schritt der Regierung. Die Änderung wird in unserem Leben nicht viel bewirken, da sich die Haltung der Menschen dadurch nicht verändert wird».

Denn Lepra geht nach wie vor mit einer starken Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung einher. Solange dies so bleibe, nütze auch eine rechtliche Verbesserung der Situation nichts, meint Ganesh. «Sobald sich das Bewusstsein für die Krankheit bei den Menschen aber geändert hat, kann die Regierung alle diskriminierenden Gesetze ganz einfach abschaffen», ist er überzeugt.

«Mythen und Irrglauben» endlich beseitigen
Optimistisch bezüglich einer solchen Eliminierung aller Gesetze zeigt sich John Kurian George, Landesverantwortlicher von FAIRMED in Indien. Er befürchtet jedoch, dass es sich aufgrund der grossen Menge an Gesetzen um einen «langen und ermüdenden Prozess» handeln werde.

«Es wird viel Arbeit und Lobbying von Institutionen, Betroffenen und Interessenvertretern nötig sein», so George. Am wichtigsten sei es dabei, die gewünschten Veränderungen mit einer gross angelegten Medienkampagne zu verknüpfen. Denn nur so könne man über Lepra aufklären und die der Krankheit anhaftenden «Mythen und Irrglauben» endlich beseitigen.