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Mein letzter Wille geschehe

Schweizerinnen und Schweizer sind Testamentsmuffel. Beatrice Gallin, die Geschäftsleiterin von MyHappyEnd, erklärt, warum in der Schweiz nur ein Drittel der Bevölkerung Testamente verfasst, was das neue Erbrecht bringt und wieso sie empfiehlt, einen Teil des Nachlasses einer NGO zu vermachen.

Beatrice Gallin ist die Geschäftsleiterin von MyHappyEnd


FAIRMED: Vor drei Jahren waren es erst ein Viertel aller Schweizerinnen und Schweizer, das ein Testament verfasst hatte. Ist diese Zahl grösser geworden?

Beatrice Gallin: Nach unserer letzten repräsentativen Umfrage 2016 sind es 30 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer über 45 Jahre, die ein Testament verfasst haben.

Im internationalen Vergleich aber immer noch ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung.

Im Verhältnis zu anderen Ländern, zum Beispiel England, regeln in der Schweiz tatsächlich wenige Leute ihren Nachlass formell. Das hat verschiedene Gründe. Einer dürfte das Erbrecht sein. In der Schweiz wird die Familie von Gesetzes wegen via Pflichtteil geschützt. In England fehlt diese Regelung. Weitere Gründe könnten kulturell bedingt sein. Das Testament berührt zwei Tabus: Geld und Tod. Über beides spricht man in der Schweiz nicht so gerne. MyHappyEnd möchte dies ein wenig entkrampfen und aufzeigen, wie sinnvoll und wichtig ein Testament ist.

Können Sie das begründen?

Wenn Sie ein Testament schreiben, bestimmen Sie selber, was mit Ihrem Nachlass geschieht! Sie vermeiden Erbstreit. Und Sie tun Gutes, in dem Sie zum Beispiel eine gemeinnützige Organisation berücksichtigen. Es braucht nicht mehr als einen Schreibstift und Papier, um ein Testament zu verfassen. Wenn Sie nichts tun, fällt Ihr Nachlass allenfalls dem Staat zu.

Es gibt doch in der Schweiz diese drei verschiedenen Testaments-Typen. Klären Sie uns auf!

Das Schweizerische Zivilgesetzbuch hält drei Testamentarten fest: Erstens das handschriftliche, eigenhändige Testament: Es ist die häufigste und einfachste Form des Testaments. Das Dokument ist nur dann gültig, wenn es vollständig von Hand geschrieben, sowie mit dem aktuellen Datum und Ihrer Unterschrift versehen ist.

Dann gibt es noch die aufwändigere Form…

… des öffentlich beurkundeten Testaments: Es wird in Anwesenheit von zwei Zeugen vor einem Notar oder einer anderen befugten öffentlichen Urkundsperson nach Ihren Angaben und Wünschen abgefasst. Diese Form empfiehlt sich, wenn Sie Formfehler mit Sicherheit vermeiden wollen.

Und der dritte Testaments-Typ…

… ist das Not-Testament. Es ist sehr selten. Unter ausserordentlichen Umständen, beispielsweise wenn eine Person nicht mehr in der Lage ist, selbst ein Testament zu schreiben und der Tod kurz bevorsteht, kann eine Person ihren letzten Willen vor zwei Zeugen erklären.

Vielen Dank für Ihre Ausführungen. Wenn ich nun ein Testament verfasse und dabei einen Teil meines Nachlasses einer Non-Profitorganisation vermache – was bringt mir das?

Sie haben die Gewissheit, über das Leben hinaus etwas zu bewirken, Gutes zu tun, einen Lebenswunsch zu verwirklichen, und zwar in einer selbstbestimmten Art und Weise. Dabei leisten Sie einen wesentlichen Beitrag in Ihrem Sinne an die Gesellschaft und für das Gemeinwohl über den Tod hinaus.

Wie viele Franken an Legaten sind denn gesamtschweizerisch letztes Jahr zusammengekommen?

Von den 79 Milliarden Franken, die 2016 vererbt wurden, werden geschätzt zwischen 170 - 300 Millionen Franken an NGOs gespendet.

Der Verein MyHappyEnd unterstützt das neue Erbrecht – warum und wie weit?

Wir waren Teil der Vernehmlassung und setzen uns dafür ein, dass das über 100-jährige Gesetz den gesellschaftlichen Gegebenheiten angepasst wird. Die Erhöhung der freien Quote, wie sie angedacht ist, würde die Gestaltungsmöglichkeit der Menschen erhöhen. Das begrüssen wir natürlich. Der Vater der entsprechenden politischen Motion, alt Ständerat Felix Gutzwiller, engagiert sich in unserem Beirat.

Beispiel eines handgeschriebenes Testaments.


Die einfachste Form, ein gültiges Testament zu verfassen, ist die handschriftliche Form. Es kann bei der kantonal zuständigen Amtsstelle oder einer Vertrauensperson hinterlegt werden. Eine Erbschaft zugunsten von FAIRMED ist ganz einfach, denn der Testament-Generator von deinadieu.ch führt Sie durch alle wichtigen Schritte:

https://www.deinadieu.ch/testamentgenerator/ngo/4209/

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