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Regierungschaos und Proteste in Sri Lanka

Politische Unruhen erschüttern Sri Lanka: Nach der Amtsenthebung von Premierminister Ranil Wickremesinghe und der Ernennung des Ex-Präsidenten Mahinda Rajapakse zum neuen Regierungschef bleibt die Situation in Colombo angespannt. FAIRMED-Landeskoordinatorin Nayani Suriyarachchi gibt einen Einblick über die Lage vor Ort.

In Colombo wurde demonstriert (Foto: Anuradha Dullewe Wijeyeratne)

«Es war eine echte Überraschung für die gesamte Nation, aber wie immer bewegen sich die Dinge auf die gleiche Weise. Derzeit läuft alles wie gewohnt», beschreibt sie ihre Eindrücke sechs Tage nach der Wachablösung an Sri Lankas politischer Führungsspitze. «Es ist schon seltsam, dass wir in Sri Lanka trotz aller politischen Turbulenzen sehen, dass sich die Dinge im gleichen Tempo entwickeln», so Suriyarachchi weiter.

Nur in der Hauptstadt Colombo war es laut der Nachrichtenagentur SDA zu massiven Demonstrationen mit Zehntausenden Protestierenden gekommen. Sie errichteten Strassensperren und riefen Parolen gegen den neuen Regierungschef Mahinda Rajapakse. Die Lage war kurz davor in Gewalt umzuschlagen, wie verschiedene Medien übereinstimmend berichteten.

Suspendierung des Parlaments aufgehoben
Nun hat sich die Krise gemäss der SDA aber zumindest teilweise entschärft. Der Grund: Präsident Maithripala Sirisena hat die zuvor von ihm verhängte Suspendierung des Parlaments wieder aufgehoben. Sirisena selbst hatte Wickremesinghe entlassen und den umstrittenen Ex-Präsidenten Mahinda Rajapakse zu seinem Nachfolger ernannt.

Wickremesinghe weigerte sich jedoch, seinen Posten zu räumen und verlangte eine Parlamentsabstimmung über seine Zukunft. Der Präsident suspendierte daraufhin die Kammer bis zum 16. November – einen Entscheid, den er nun widerrufen hat. Rajapakse und Wickremesinghe kämpfen gemäss der SDA in Erwartung einer möglichen Abstimmung im Parlament hinter den Kulissen um Stimmen. Nach jüngsten Schätzungen kann Wickremesinghe auf 104 der 225 Abgeordneten zählen, Rajapakse auf 99.