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Rekordinvestitionen im Kampf gegen Armutskrankheiten

Noch nie wurde so viel Geld in die Forschung und Entwicklung für die Bekämpfung von armutsbedingten und vernachlässigten Krankheiten investiert wie 2017. Die 3,6 Milliarden US-Dollar liegen aber nach wie vor deutlich unter den Empfehlungen der WHO, wie der neuste Bericht des Thinktanks Policy Cures Research zeigt.

Die USA, UK und die EU sind die grössten Geldgeber

Der G-FINDER-Bericht führt jährlich auf, wie viel Geld in die Forschung und Entwicklung von neuen Produkten zur Vorbeugung, Diagnose, Kontrolle oder Heilung armutsbedingter Krankheiten fliesst. Er beruht auf Daten von Hunderten von Organisationen, darunter auch FAIRMED.

Konkret berücksichtigt werden Krankheiten, die in erster Linie in Entwicklungsländern auftreten. Neben der grossen Gruppe von vernachlässigten Tropenkrankheiten wie Lepra oder Elephantiasis zählen dazu beispielsweise auch Tuberkulose und Durchfallerkrankungen. Der Bericht befasst sich auch mit bekannten Krankheiten wie HIV und Hepatitis C, wo es in vielen Fällen an kindgerechten Medikamenten fehlt.

«Wir sind nicht da, wo wir sein müssten»
Im Geschäftsjahr 2017 investierten die öffentliche Hand (v.a. Regierungen), der private Sektor (v.a. multinationale Pharmakonzerne) sowie Stiftungen und Einzelpersonen insgesamt 3,566 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 232 Millionen im Vergleich zum Vorjahr und gleichzeitig das höchste Ergebnis seit der ersten Erhebung im Jahr 2007.

«Trotzdem sind wir nicht da, wo wir sein müssten», sagte Mitautorin Anna Doubell bei der Vorstellung des Berichts in Genf. Ihre Begründung: «Keine einziges Land kam der Zielvorgabe der WHO nach, mindestens 0,01 Prozent des eigenen BIPs für die Erforschung des Gesundheitsbedarfs von Entwicklungsländern zu verwenden.» Nur die USA und das Vereinigte Königreich seien knapp davor gewesen, den Zielwert zu erreichen. «Kein anderes Land hat auch nur die Hälfte des Zielwertes erreicht», so die Forschungsdirektorin von Policy Cures Research. Pikant: In der 11-jährigen Geschichte des G-FINDER-Berichts haben nur die Vereinigten Staaten diese Marke jemals erreicht.