|

Schritt für Schritt

Jeannette Gwatah und ihr Sohn Marcel kamen mit verdrehten Fussgelenken zur Welt. Mit Physiotherapie versuchen die beiden, ein normales Leben zu führen.

Jeannette Gwatah und ihr Sohn Marcel


Jeanette Gwatah aus Moinkoing sitzt vor einer kleinen Feuerstelle und rührt in einem Kochtopf aus Stahl. Mit einer Kelle hebt sie in Streifen geschnittenen Maniok aus dem kochenden Öl und legt ihn vorsichtig auf einem Teller ab. Ab und zu erhebt sich Jeanette von ihrem Holzstuhl und legt neue Teller bereit, ehe sie sich wieder dem Frittieren widmet. Das Aufstehen fällt der 41-Jährigen sichtbar schwer, denn sie ist mit verdrehten Fussgelenken auf die Welt gekommen. «Mit meiner Behinderung ist es mir nicht möglich, Felder zu bestellen und so für meine Familie zu sorgen», erklärt Jeanette ihre Situation. Zusätzlich zu ihren drei Kindern kümmert sich Jeanette auch um ihre pflegebedürftige Mutter und ihre taubstumme Schwester. «Seit mich mein Mann verlassen hat, versuche ich mit dem Verkauf von frittierten Maniok-Stäbchen und Teigtaschen etwas Geld zu verdienen. So kann sich meine Familie knapp über Wasser halten».

Ohne medizinische Hilfe keine Zukunft

Jeanettes Sohn Marcel erscheint in der Türöffnung des  Lehmhäuschens. Der Siebenjährige muss sich am Türrahmen festhalten, um seinen Körper über die Türschwelle zu heben. Wie seine Mutter leidet auch Marcel an einer Verformung beider Füsse. Der kleine Junge setzt sich neben Jeanette auf den Holzstuhl und kaut ein goldbraunes Maniok-Stäbchen. «Marcel hat Schmerzen beim Gehen. Er zieht sich immer mehr zurück und spielt nicht mehr mit den anderen Kindern», sorgt sich Jeanette. «Längere Fusswege bereiten ihm grosse Mühe. Ohne medizinische Hilfe wird es für ihn sehr schwierig werden, einmal selbstständig zu leben oder sogar eine Familie zu ernähren».

Nicht länger vom Gesundheitssystem ausgeschlossen

Menschen mit Behinderungen wie Jeanette und Marcel leben in Bankim meistens abseits der Gesellschaft und isoliert in ihren Wohngebieten. Ohne Geld und amtliche Dokumente sind sie ausserstande, staatliche Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehmen. Das Projekt «Santé Bankim» von FAIRMED setzt genau hier an: Wir unterstützen Betroffene dabei, sich zu einer Behinderten-Organisation zusammenzuschliessen und sich gegenseitig zu helfen. Wir haben angeregt, dass sich die Vertreter der Organisation regelmässig mit regionalen Gesundheits-Mitarbeitenden treffen. So können sie auf ihre Anliegen und Bedürfnisse aufmerksam machen. Ausserdem bauen wir die Gesundheitsangebote für Behinderte aus. So erweitert beispielsweise das Distrikt-Spital Bankim das bestehende Physiotherapie-Angebot. Dank unserem Projekt bekommen Hilfsbedürftige wie Jeanette und Marcel die  Chance, ein normales Leben führen zu können.

  • Facebook
  • Twitter