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Unbezahlbar: Gesundheitskosten sind mehr als Ausgaben

Vernachlässigte Tropenkrankheiten sind gleichzeitig Grund und Folge von Armut. Sie sind Anzeichen für soziale Ungleichheit und deren Behandlung kann Betroffenen teuer zu stehen kommen. Denn es ist das bestehende Gesundheitssystem, das darüber entscheidet, ob eine Behandlung bezahlbar ist oder nicht.

Während die privaten Ausgaben in der Schweiz lediglich rund 26% betragen, zahlen Menschen in Indien und Kamerun weit über 60% selbst. Grafik: ourworldindata.org

Ein gutes Gesundheitsfinanzierungssystem entscheidet nicht nur über die Höhe der privaten Ausgaben, sondern auch darüber, ob bestimmte Leistungen überhaupt zur Verfügung stehen. Das Konzept der universellen Gesundheitsversorgung (UHC) hat eine gerechtere Gesundheitspolitik für alle Gesellschaftsgruppen zum Ziel. Basierend auf der Idee «Gesundheit für alle» sollen weltweit Gesundheitsreformen stattfinden, die den Zugang zu qualitativ hochstehenden und bezahlbaren Gesundheitsdiensten vereinfachen. Dazu gehören nicht nur finanzielle Absicherungen wie Lohnersatzleistungen und Subventionen (z.B. Prämienverbilligungen), sondern auch Programme zur Prävention, Behandlung und Rehabilitation.

Teil drei unserer «Unbezahlbar»-Serie zeigt die Unterschiede der Gesundheitsfinanzierungssysteme im internationalen Vergleich auf und erklärt, warum eine allgemeinen Gesundheitsversorgung (Englisch: Universal Health Coverage, kurz UHC) ein wichtiger Aspekt in der Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten ist und wie FAIRMED sich dafür einsetzt.

Teil 3

Wenn das Gesundheitssystem versagt, trifft es die Ärmsten
Weltweit können rund 100 Millionen[1] Menschen keine Gesundheitsdienstleistungen beziehen, ohne in finanzielle Not zu geraten. In vielen Ländern wird ein Grossteil der Gesundheitsausgaben durch sogenannte «Out-of-Pocket»-Zahlungen von den Patienten selbst finanziert. Statistiken der Weltbank zeigen deutliche Unterschiede zwischen einkommensstarken und einkommensschwachen Ländern. Während in reichen Ländern «Out-of-Pocket»-Zahlungen unter 30% liegen, machen die privaten Gesundheitsausgaben in ärmeren Ländern mehr als doppelt so viel aus[2]. Angesichts dieser Tatsachen ist die Erreichung von Ziel 3 der nachhaltigen Entwicklungsziele umso bedeutender.

Gute Gesundheit ist Luxus
Aber auch innerhalb der einzelnen Länder klafft die soziale Schere zwischen Arm und Reich weit auseinander. Einer der Hauptgründe dafür sind mangelnde finanzielle Ressourcen im Gesundheitssektor. Dieser Mangel hat zur Folge, dass die Kosten für Medikamente und Behandlung auf den Patienten abgewälzt werden. Deshalb verzichten vor allem armutsbetroffene Menschen auf Arztbesuche, Behandlungen und Medikamente. Doch auch eine Nicht-Behandlung hat schwerwiegende Folgen: Krankheit kann zu Arbeitsunfähigkeit führen, was wiederum zum Lohnausfall führt. Dadurch steigt das Risiko, in die Armutsfalle zu geraten und dort gefangen zu bleiben. Die Studien aus Indien und Kamerun untermauern dies.

Ungleichheit ausgleichen
Für die Erreichung der universellen Gesundheitsversorgung können Programme zur Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten den Zugang zu jenen Bevölkerungsgruppen öffnen, die am schwierigsten zu erreichen sind. Vernachlässigte Tropenkrankheiten treten mehrheitlich bei armen Bevölkerungsgruppen und in abgelegenen, ländlichen Gebieten auf. Aufgrund ihrer finanziell schlechten Lebenslage und abgeschiedenen Lebensweise profitieren diese Menschen nur selten vom lokalen Gesundheitssystem. Die FAIRMED-Projekte ermöglichen, dass diese Menschen in das Gesundheitssystem eibezogen werden. Gemeinsam mit der Regierung und der Bevölkerung werden einfache Gesundheitsstrukturen aufgebaut. So gelingt es FAIRMED, die Verbreitung von vernachlässigten Tropenkrankheiten einzudämmen und die Ungleichheit beim Zugang zu Gesundheitsversorgung zumindest etwas auszugleichen.

[1] http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs395/en/
[2] https://ourworldindata.org/health-meta#the-finances-of-healthcare