Bekämpfung von Lepra und ihrer Stigmatisierung

Ratnapura, Polonnaruwa und Colombo, Sri Lanka

In Zusammenarbeit mit der Regierung treibt FAIRMED die Bekämpfung von Lepra und der damit verbundenen Stigmatisierung in Sri Lanka voran. Von Lepra betroffene Menschen werden durch aktive Fallfindung identifiziert und erhalten Zugang zu der für sie nötigen medizinischen Behandlung. Zudem reduziert das Projekt die Diskriminierung von Betroffenen durch Sensibilisierungsaktivitäten innerhalb der Bevölkerung.

Hintergrund

Jedes Jahr erhalten mehr als 200 000 Menschen die Diagnose Lepra. Die uralte Krankheit ist also keineswegs ausgestorben – auch nicht in Sri Lanka, wo pro Jahr rund 2000 neue Fälle diagnostiziert werden. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört Sri Lanka damit zu den wenigen Ländern auf der Welt mit mehr als 1000 Fällen pro Jahr. Innerhalb des Inselstaates zählen die Distrikte Ratnapura, Polonnaruwa und die Gemeinde Colombo zu den Regionen mit den meisten neu registrierten Lepra-Fällen. Zwar besitzt Sri Lanka ein umfassendes und für die Bevölkerung kostenloses Gesundheitssystem, die Bekämpfung von Lepra ist aber mit verschiedenen Hindernissen verbunden. Fehlendes Wissen über die ersten Anzeichen der Krankheit und die starke Stigmatisierung von Betroffenen führen dazu, dass sich die Menschen nur selten von sich aus untersuchen lassen. Deshalb und um Fälle im frühen Stadium zu identifizieren und so weitere Ansteckungen in den Gemeinschaften möglichst zu verhindern, ist eine aktive Fallfindung ist nötig. Hinzu kommt, dass sich viele Betroffene die Kosten für den Reiseweg zum nächsten Gesundheitszentrum nicht leisten können oder sich wegen den Nebenwirkungen der Medikamente nicht an die verordnete Behandlung halten oder sie ganz abbrechen. Darüber hinaus fehlt es dem Gesundheitspersonal oftmals am nötigen Knowhow zur Diagnose und Behandlung von Lepra.

Das Projekt

In Zusammenarbeit mit der Regierung treibt FAIRMED die Bekämpfung von Lepra und der damit verbundenen Stigmatisierung voran. Wir koordinieren die aktive Fallfindung in Schulen, Gefängnissen, Fabriken und beim Militär sowie durch Tür-zu-Tür-Kampagnen in Hoch-Risiko-Gebieten. Daneben sorgen wir dafür, dass das Gesundheitspersonal in der Früherkennung und Behandlung von Lepra geschult wird. Zudem reduziert das Projekt die Stigmatisierung gegenüber Leprabetroffenen durch Sensibilisierungsaktivitäten in der Bevölkerung. Unter anderem stellen wir Aufklärungsmaterial für Gesundheitsmitarbeitende zusammen, produzieren Aufklärungscomics für die lokalen Zeitungen und organisieren Theatervorführungen für Schulkinder, in denen spielerisch erklärt wird, wie Lepra übertragen wird, woran man die Krankheit im Frühstadium erkennt und dass man mit einer frühzeitigen Behandlung keine Folgeschäden erleiden muss.

All diese Massnahmen tragen dazu bei, dass Betroffene frühzeitig identifiziert und rechtzeitig behandelt werden, damit die Krankheit zu keinen Behinderungen führt. Für Menschen, die bereits an einer Behinderung leiden, fördern wir die Bildung von Selbsthilfegruppen. Durch den Einbezug der ganzen Gemeinschaft wird ihre gesellschaftliche Integration gefördert. In anderen Ländern wie z. B. in Indien konnte FAIRMED dank solcher Selbsthilfegruppen bereits grosse Erfolge verzeichnen.

Ziele und Aktivitäten

Hauptziel des Projekts ist es, zur Bekämpfung von Lepra und ihrer Stigmatisierung in Sri Lanka beizutragen. Um dieses Gesamtziel zu erreichen, verfolgt das Projekt die folgenden spezifischen Ziele, die unter anderem durch die unten aufgeführten Aktivitäten angestrebt werden:

Früherkennung, aktive Fallfindung und Behandlung von Lepra-Fällen

• Wichtige Schlüsselpersonen der Gemeinschaften (z.B. Lehrer, Lokalpolitiker, religiöse Führer) werden über Lepra-bezogene Themen wie die Behandlungsmöglichkeiten und Früherkennung informiert.
• Organisation von Schulungen für Gesundheitsmitarbeitende in der Früherkennung und Behandlung von Lepra.
• Organisation von Screening-Programmen: Durch Tür-zu-Tür-Aktionen, mobile Kliniken und Gesundheitscamps werden Menschen aus Hoch-Risiko-Gebieten und gefährdete Gruppen (z.B. Schülerinnen und Schüler) identifiziert und untersucht.
• Durchführung von Sensibilisierungskampagnen: Mit Comics in Zeitungen und Social Media, Plakaten, Wandmalereien und Anzeigetafeln wird die Bevölkerung  über Lepra und ihre Folgen aufgeklärt.
• Einführung eines Online-Datenbanksystems, welches alle Lepra-Fälle registriert. In den Kliniken werden alle Patientendaten in einer Datenbank erfasst. Diese unterstützt die Kliniken bei der Nachverfolgung der Patienten, um Verschlimmerungen (z.B. Infektionen) rechtzeitig behandeln zu können.

Verhinderung von bleibenden Behinderungen

• FAIRMED stellt sicher, dass Gesundheitsdienstleistungen eingeführt werden, die den Bedürfnissen von Menschen mit Lepra bedingten Behinderungen entsprechen (z.B. Verbandswechsel, Spezialschuhe etc.). Dadurch soll verhindert werden, dass die Behinderungen irreversibel werden.
• Das Gesundheitspersonal wird im Umgang mit Menschen mit Lepra bedingten Behinderungen geschult.

Nachhaltigkeit und Monitoring

Alle FAIRMED-Projekte werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und unter Einbezug der Bevölkerung vor Ort durchgeführt. In den regionalen FAIRMED-Länderbüros arbeiten ausschliesslich lokale Mitarbeitende. Auf diese Weise – und dank konsequentem Monitoring – können Probleme während der Projektlaufzeit rechtzeitig erkannt, auf ihre Ursachen analysiert und Methoden und Ziele gegebenenfalls angepasst werden. Durch die direkte Einbindung von Gesundheitsministieren und Partnerorganisationen wird zudem sichergestellt, dass Projekte zu einem späteren Zeitpunkt übergeben und ohne FAIRMED-Unterstützung weitergeführt werden können.

Begünstigte und Budget

Direkt vom Projekt begünstigt sind alle von Lepra betroffenen Menschen im Projektgebiet. Zudem profitieren deren Familienangehörige und die rund zwei Millionen Einwohner der Distrikte Ratnapura, Polonnaruwa und der Gemeinde von Colombo von den Lepra-Präventionsmassnahmen und der damit verbundenen geringeren Wahrscheinlichkeit, an Lepra zu erkranken sowie von den Sensibilisierungsprogrammen zur Früherkennung und Behandlung von Lepra. Die Gesamtkosten für die Projektdauer von 2017 bis 2021 belaufen sich auf 509 000 Schweizer Franken.

Djuneida’s Geschichte
Heilbar, aber in Vergessenheit

Djuneida hat noch einmal Glück gehabt. Soeben hat sie ihre Therapie zur Behandlung von Lepra abgeschlossen und gilt als geheilt. Die 45-Jährige wurde im Rahmen einer Screening-Aktion diagnostiziert und anschliessend zur Behandlung in eine Klinik überwiesen. Ihre Erkrankung wurde sehr früh erkannt, deshalb wird sie keinerlei Folgeschäden haben. In den nächsten drei Jahren werden Djuneida und ihre Familie regelmässig von Gesundheitsmitarbeitenden besucht, die sicherstellen, dass sich keine Angehörigen mit Lepra angesteckt haben. Weil es manchmal Jahre dauern kann, bis die Symptome von Lepra überhaupt sichtbar werden, werden ehemalige Patienten und ihre Familien über einen relativ langen Zeitraum begleitet.

«Mir bereiteten die Medikamente keinerlei Nebenwirkungen und ich bin froh, ist meine sechsmonatige Therapie nun zu Ende.»