Gesundheit für die ländliche Bevölkerung

Baglung, Nepal

Die hügelige Landschaft des Baglung Distrikts ist geprägt von vielen kleinen, verstreuten Dörfern. Sie liegen dabei oft so abgelegen, dass das nächste Gesundheitszentrum kilometerweit entfernt ist. Hinzu kommt, dass die vorhandenen Gesundheitszentren häufig ungenügend ausgestattet und die Gesundheitsmitarbeitenden vor Ort unzureichend geschult sind. Das Resultat sind unter anderem eine hohe Mütter- und Neugeborenensterblichkeit sowie eine Verbreitung von vernachlässigten Tropenkrankheiten. Deshalb hat es sich FAIRMED zum Ziel gesetzt, die Gesundheitssituation der Menschen im Projektgebiet zu verbessern.

Hintergrund

Der Distrikt Baglung liegt im Westen Nepals in der Provinz Gandaki. Das Projekt von FAIRMED umfasst dabei die fünf Gemeinden des Distrikts, die besonders abgelegen sind und in denen es an einer grundlegenden medizinischen Infrastruktur fehlt. Dies gilt sowohl für das Vorhandensein einer ausreichenden Anzahl Gesundheitseinrichtungen und deren Ausstattung als auch für das Vorhandensein von genügend geschultem Gesundheitspersonal. Erschwerend kommt hinzu, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen in den Gemeinden oft limitiert ist. Neben diesen Lücken im Gesundheitssystem verhindern kulturelle, aber potentiell schädliche Praktiken der gesundheitlichen Selbstversorgung oftmals eine rechtzeitige und angemessene Behandlung. So besuchen viele Menschen traditionelle Heiler, wenn sie krank werden. Oder junge Mütter trinken nach der Geburt bis zu einem halben Liter warmes Senföl oder konsumieren während und kurz nach der Geburt Alkohol, da sie glauben, dass dies dabei hilft, ihre Energie aufzuladen. Darüber hinaus fehlt es vielen Teilen der Bevölkerung an Wissen darüber, wie sie erste Anzeichen von Krankheiten erkennen können und wann sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen sollten.

Das Projekt

Durch das vorliegende Projekt soll die ländliche Bevölkerung in Baglung - insbesondere Schwangere, stillende Mütter, Kleinkinder, Menschen mit Behinderungen und Menschen, die an vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs) leiden – von einem verbesserten Gesundheitssystem  profitieren können. Um den vielfältigen Herausforderungen im Projektgebiet gerecht zu werden, verfolgt FAIRMED dafür einen ganzheitlichen Ansatz. Wir unterstützen die Gesundheitsverantwortlichen in den Gemeinden dabei, ihre Gesundheitsprogramme besser zu planen und durchzuführen. Daneben sorgen wir dafür, dass die Menschen im Projektgebiet Zugang zu Gesundheitsleistungen erhalten. Wir stellen sicher, dass alle Gesundheitseinrichtungen bedarfsgerecht ausgerüstet sind und vermitteln dem Personal in den Einrichtungen das nötige medizinische Fachwissen.

Ausserdem vermitteln wir der Bevölkerung gesundheitliche Grundkenntnisse und fördern gesundheitsbewusstes Verhalten auf der Gemeindeebene durch Sensibilisierungsmassnahmen. Unter anderem klären wir die Menschen in den Gemeinden darüber auf, wie sie erste Anzeichen von vernachlässigten Tropenkrankheiten frühzeitig erkennen und was sie machen können, um ihre eigene Gesundheit zu fördern. Daneben führen wir gross angelegte Sensibilisierungsmassnahmen durch, um schwangeren Frauen und frischgebackenen Müttern die Vorteile einer professionellen Gesundheitsversorgung näher zu bringen. So gründen und reaktivieren wir Müttergruppen, in denen sich werdende und frischgebackene Mütter regelmässig treffen und Informationen rund um Themen wie Familienplanung, Schutzimpfungen für ihre Kleinkinder oder Schwangerschaftsuntersuchungen erhalten. Wir setzen freiwillige Gesundheitshelferinnen ein, die als Anlaufstelle für medizinische Fragen der Dorfbewohnerinnen und -bewohner dienen und die Müttergruppen leiten, koordinieren und unterstützen.

Ziele und Aktivitäten

Hauptziel des Projekts ist es, die Gesundheitssituation der Menschen im Projektgebiet zu verbessern. Um dieses Gesamtziel zu erreichen, verfolgt das Projekt die folgenden spezifischen Ziele, die unter anderem durch die unten aufgeführten Aktivitäten angestrebt werden:

Bessere Verwaltung der Gesundheitseinrichtungen durch Unterstützung der Verantwortlichen

• Schulung der Gesundheitsverantwortlichen, damit sie ihre Aktivitäten planen, budgetieren und implementieren können. Dies ist wichtig, weil die Gemeinden im Zuge der politischen Dezentralisierung in Nepal neu die Aufgabe haben, die gesundheitspolitischen Aktivitäten in ihrem Gebiet selbstständig zu planen und durchzuführen.

Erweiterung der Fähigkeiten des Gesundheitspersonals

• Organisation von Schulungen des Personals in den Gesundheitseinrichtungen. Diese Massnahme zielt unter anderem darauf ab, dass das Gesundheitspersonal NTDs frühzeitig erkennen und behandeln kann. Des Weiteren soll das Personal Vor- und Nachgeburtsuntersuchungen durchführen können.

Verbesserung und Ausbau des grundlegenden Gesundheitsangebots

• Aus- und Aufbau von Gesundheits- und Geburtszentren. Dazu gehört unter anderem die Zusammenarbeit mit den Gemeinden bei der Bereitstellung von sauberem Wasser (Wasserreinigung/Wasserfilter usw.) und sanitären Einrichtungen für die Gesundheitseinrichtungen.
• Unterstützung der Gemeinden bei der Planung und Umsetzung von Angeboten für Menschen mit einer Behinderung (z.B. der Bildung von Selbsthilfegruppen) und bei der Einrichtung einer behindertengerechten Infrastruktur.
• FAIRMED stellt zusammen mit den Gemeinden sicher, dass die Gesundheitseinrichtungen über die notwendigen Medikamente und medizinische Ausrüstung wie Laborgeräte verfügen.
• Stärkung der Kompetenzen von freiwilligen Gesundheitshelferinnen, damit sie aktive Gesundheitsförderer in der Gemeinde werden. Beispielsweise werden sie darin geschult, Müttergruppen zu aktivieren.

Sensibilisierung der Bevölkerung für Gesundheitsthemen

• Planung und Durchführung von verschiedenen Aktivitäten zur Sensibilisierung der Bevölkerung für Gesundheitsthemen, damit sie Gesundheitsprobleme verstehen und potenziell schädliche Praktiken aufgeben. Ziel davon ist es, das gesundheitsfördernde Verhalten der Menschen im Projektgebiet zu verbessern und damit auch die Nutzung der Gesundheitsdienste in den Gemeinden zu erhöhen.
• Koordination und Organisation von Sensibilisierungsveranstaltungen zur Früherkennung und Behandlung von NTDs sowie zu den Themen Behinderung und Hygiene.

Nachhaltigkeit und Monitoring

Alle FAIRMED-Projekte werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und unter Einbezug der Bevölkerung vor Ort durchgeführt. In den regionalen FAIRMED-Länderbüros arbeiten ausschliesslich lokale Mitarbeitende. Auf diese Weise – und dank konsequentem Monitoring – können Probleme während der Projektlaufzeit rechtzeitig erkannt, auf ihre Ursachen analysiert und Methoden und Ziele gegebenenfalls angepasst werden. Durch die direkte Einbindung von Gesundheitsministieren und Partnerorganisationen wird zudem sichergestellt, dass Projekte zu einem späteren Zeitpunkt übergeben und ohne FAIRMED-Unterstützung weitergeführt werden können.

Begünstigte und Budget

Direkt vom Projekt begünstigt sind insgesamt 390 Müttergruppen, rund 1900 schwangere Frauen, 1600 stillende Mütter, 1500 Neugeborene, 2000 von vernachlässigten Tropenkrankheiten betroffene Menschen und 150 Menschen mit Behinderung. Zudem profitieren auf indirekte Weise alle Menschen, die ebenfalls im Projektgebiet leben, von der besseren Ausstattung der Gesundheits- und Geburtszentren sowie von Gesundheitsdienstleistungen durch besser geschultes Personal. Für die Projektperiode von 2019 bis 2021 beträgt das Gesamtbudget 90 000 Franken.

Kamala’s Geschichte
«Ich musste 1,5 Liter warmes Senföl trinken»

Nach der Geburt ihres ersten Kindes trank Kamala Gharti Magar auf Raten der älteren Menschen in ihrem Dorf Senföl. Dieses sollte ihre inneren Organe reinigen. Neue Mütter folgen dieser traditionellen Praxis oftmals ohne sie zu hinterfragen - wie schon ihre Mütter vor ihnen. «Ich habe gewürgt, als ich das Senföl trank», sagt Kamala. Tage später verlor sie den Appetit. «Ich konnte mein Baby nicht richtig stillen, weil ich nicht mehr essen konnte», erzählte sie. Bis heute leidet sie unter starken Magenproblemen - eine Folge des Rituals. «Als FAIRMED mir von den Auswirkungen von Senföl erzählte, begann ich zu verstehen», sagt Kamala. Jetzt gibt sie ihr Wissen an andere Frauen weiter – unter anderem an ihre Schwiegertochter.

«In einem Monat wird sie Mutter werden. Ich werde sie definitiv nicht darum bitten, Senföl zu trinken.»