Medizinische Nothilfe in der Zentralafrikanischen Republik

Bimbo und M’baïki, Zentralafrikanische Republik

Die Zentralafrikanische Republik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Die humanitäre Lage im kriegsgeplagten Staat ist prekär. FAIRMED setzt sich deshalb dafür ein, das zerstörte Gesundheitssystem aufzubauen und den Menschen den Zugang zu dringend nötigten Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen.

Hintergrund

Seit der 1960 erfolgten Unabhängigkeit von Frankreich durchlief die Zentralafrikanische Republikimmer wieder politische Krisen. Der 2013 durch einen Putsch ausgelöste Bürgerkrieg hat die ohnehin schon prekären Lebensbedingungen der Bevölkerung nochmals massiv verschlechtert, das Gesundheitssystem ist komplett zusammengebrochen. Der Grossteil der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen, mehr als ein Viertel wurde zu Vertriebenen und Flüchtlingen. Die Müttersterblichkeitsrate und die der Kinder unter fünf Jahren zählen zu den höchsten weltweit.

Das Projekt

Im Zuge der humanitären Krise begann FAIRMED im Dezember 2014 in den Gesundheitsdistrikten Bimbo in der Präfektur Ombella M’poko und M’baïki in der Präfektur Lobaye Nothilfe zu leisten. Das Projekt «Medizinische Nothilfe in der Zentralafrikanischen Republik» wird in Kooperation mit dem Koordinationsbüro der Vereinten Nationen für Humanitäre Hilfe sowie der Distriktgesundheitsbehörde durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, den Menschen in den Gesundheitsdistrikten Bimbo und M’baïkiden Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Im Herbst 2018 wurde das Projektgebiet im Distrikt M’baïki von sechs auf neuen Gemeinden und damit von 30 auf 37 Gesundheitseinrichtungen ausgeweitet. FAIRMED konnte seit Projektbeginn dazu beitragen, das zerstörte Gesundheitssystem in der Lobaye wieder aufzubauen. Da sich die humanitäre Lage im Jahr 2018 aber wieder verschlechterte, ist die Notwendigkeit für die Weiterführung des Projektes grösser denn je - insbesondere in den neu dazu gekommenen Gemeinden und Gesundheitseinrichtungen.

Ziele und Aktivitäten

Hauptziel des Projekts ist es, ein funktionierendes Gesundheitssystem in Bimbo und M’baïki zu errichten und zu unterhalten. Um dieses Gesamtziel zu erreichen, verfolgt das Projekt die folgenden spezifischen Ziele, die unter anderem durch die unten aufgeführten Aktivitäten angestrebt werden:

Der Bevölkerung wird der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen ermöglicht

• Seit Herbst 2018 betreibt FAIRMED ein Pilot-Notfall-Transport-und Behandlungs-System für die Menschen in den schwer zugänglichen Dörfern der Gemeinde Moboma: Dazu werden den Dörfern Fahrräder zur Verfügung gestellt. Bei einem Notfall kann ein Helfer mittels Fahrrad die nächste Gesundheitseinrichtung aufsuchen und informieren. Mit den dort bereitgestellten Motorrädern kann der Patient dann im Dorf abgeholt und ins Gesundheitszentrum transportiert oder falls nötig in eine besser qualifizierte Gesundheitseinrichtung überwiesen werden. Da viele der Strassen in Moboma in prekärem Zustand sind, eignen sich Motorräder für den Notfalltransport am besten.
• Die Notfall-Patienten werden in den Gesundheitseinrichtungen behandelt.
• In M’bata wird eine Motorradambulanz unterhalten. FAIRMED bezahlt unter anderem das Benzin und kommt für Reparaturarbeiten auf.

Die Gesundheitseinrichtungen werden mit den notwendigen medizinischen Materialien und Me-dikamenten ausgestattet

• Die Gesundheitseinrichtungen erhalten medizinisches Material und die nötige Infrastruktur für die Bereiche Geburten, Chirurgie und Labor.
• Die Gesundheitseinrichtungen werden mit den notwendigen Medikamenten beliefert.

Die Gesundheitseinrichtungen werden darin unterstützt, qualifiziertes Gesundheitspersonal einzustellen und dieses angemessen zu entlohnen

• Ärzte, Pflegefachpersonen, Hebammen sowie Hilfspflegende werden mit der Unterstützung von FAIRMED angestellt und entlohnt.

Das Gesundheitspersonal wird zu verschiedenen Themen geschult

Nachhaltigkeit und Monitoring

Alle FAIRMED-Projekte werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und unter Einbezug der Bevölkerung vor Ort durchgeführt. In den regionalen FAIRMED-Länderbüros arbeiten ausschliesslich lokale Mitarbeitende. Auf diese Weise – und dank konsequentem Monitoring – können Probleme während der Projektlaufzeit rechtzeitig erkannt, auf ihre Ursachen analysiert und Methoden und Ziele gegebenenfalls angepasst werden. Durch die direkte Einbindung von Gesundheitsministieren und Partnerorganisationen wird zudem sichergestellt, dass Projekte zu einem späteren Zeitpunkt übergeben und ohne FAIRMED-Unterstützung weitergeführt werden können.

Begünstigte und Budget

Vom Projekt begünstigt sind die 217 271 Einwohnerinnen und Einwohnern der Gemeinden des Projektgebiets. Zu diesen Gemeinden gehören M’baïki, Pissa, Mbata, Moboma, Mongoumba, Balé Loko, Bimbo, Lesse, Nola und Bogongo-Gaza. Die Gesamtkosten für das Projekt im Jahr 2020 belaufen sich auf 479 000 Franken.

Marcel’s Geschichte
Angst eines kranken Vaters

Der 40-jährige Marcel Bede musste sich vor kurzem einer Bauchoperation unterziehen. Er hatte starke Schmerzen, diese aber ignoriert und stattdessen immer wieder viel zu schwere Dinge aufgehoben und herumgetragen. Das hat seinen Zustand noch verschlimmert. Sein Versuch, die Schmerzen mit traditioneller Pflanzenmedizin zu lindern, blieb erfolglos. Eines Tages ist er bewusstlos geworden und konnte nicht mehr aufstehen. Er wurde notfallmässig ins Spital gebracht. Dort wurde dann eine Hernien-Operation durchgeführt. Bezahlt wurde diese von FAIRMED – ebenso der Transfer und der Aufenthalt im Spital sowie die nötigen Medikamente und die Verpflegung. Alleine hätte Marcel diese Ausgaben nicht stemmen können.

« Noch viel schlimmer als die starken Schmerzen waren meine Sorgen, dass ich mich nicht mehr um meine Familie kümmern kann.»