Schulen & Spitäler für Lepra-Betroffene

Indien, landesweit

FAIRMED unterstützt in fünf Distrikten Indiens Referenzspitäler, die sich auf die Prävention, Behandlung und Rehabilitation von Lepra und deren Folgekrankheiten spezialisieren. Die Menschen erhalten Zugang zu einer qualitativ hochwertigen medizinischen Behandlung, um Lepra verursachte Behinderungen zu vermeiden und bestehende Behinderungen zu behandeln.

Hintergrund

Lepra ist eine Armutskrankheit und tritt in den ärmsten Gebieten der Welt auf. Jährlich werden weltweit über 200 000 Menschen neu mit Lepra diagnostiziert, mehr als 60 Prozent der Fälle treten in Indien auf. Lepra verbreitet sich besonders in einem Umfeld, in dem, die Menschen auf engem Raum wohnen, schlecht ernährt sind und in Armut leben. Lepra überträgt sich durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch: Es können jedoch Jahrzehnte verstreichen, ehe die Krankheit ausbricht.

Während vielen Jahren erhielten Lepra-Betroffene in Indien aufgrund von Stigmatisierung kaum oder gar keinen Zugang zu öffentlichen Spitälern. Davon besonders betroffen waren Menschen, die an durch Lepra verursachten Behinderungen und Geschwüren litten. Um Betroffenen eine kompetente und respektvolle Behandlung zu bieten, gründete FAIRMED in den Siebzigerjahren in Indien mehrere Lepra-Spitäler. In den Spitälern wurden unter anderem wiederherstellungschirurgische Operationen an Händen und Füssen vorgenommen und Physiotherapie- und Wiedereingliederungs-Programme durchgeführt. Zudem betreute man Menschen, bei denen eine allergische Reaktion auf die Lepra-Behandlung aufgetreten war. Viele dieser Massnahmen zielten darauf ab, dem starken Stigma der Krankheit entgegenzuwirken. Die Lepra-Spitäler wurden ursprünglich ausserhalb der Siedlungen gebaut. Um den Kindern der Angestellten dennoch einen Schulbesuch zu ermöglichen, richtete man an den Spital-Standorten Schulen ein.

In der Strategie des Jahres 2000 forderte die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass die Behandlung von Lepra in die öffentlichen Gesundheitsangebote integriert wird. Im Rahmen der Umsetzung dieser Strategie wurden die Spitäler zu Referenz-Zentren für komplizierte Lepra-Fälle. Zudem bieten die Spitäler seither bezahlbare oder sogar kostenlose Behandlungen im Bereich der Allgemeinmedizin an.

Das Projekt

Die Spitäler sind jeweils in distriktweite Projekte eingebettet. Diese Projekte verfolgen das Ziel, Lepraerkrankte zu behandeln und das Fortschreiten von Behinderungen zu stoppen. Das Gesundheitspersonal wird darin geschult, Lepra-Betroffene zum selbstständigen Pflegen ihrer Wunden anzuleiten. So müssen nur noch Menschen mit fortgeschrittenen Lepra-Erkrankungen an die Spitäler verwiesen werden. Zusammen mit lokalen Gesundheitsbehörden und akkreditierten Gemeindehelfern wird zudem aktiv Lepra-Fallfindung betrieben. Die Qualität der Lepra-Behandlungen wird dabei fortlaufend verbessert.

Durch die Bevölkerungsentwicklung haben sich die Stadtgrenzen verschoben. Die ehemaligen Lepra-Spitäler, ursprünglich ausserhalb der Städte gebaut, befinden sich mittlerweile am Stadtrand. Die Schulen an den Spital-Standorten stehen deswegen nun auch den Kindern der lokalen Bevölkerung zur Verfügung. Der Schulbesuch ist kostenpflichtig. Durch diese Einnahmen sollen die Schulen selbsttragend werden. Des Weiteren finanziert FAIRMED auf diesem Weg Stipendien für Kinder aus leprabetroffenen Familien.

FAIRMED unterstützt in Indien folgende Spitäler und Schulen:

  • Emmaus Swiss Hospital in Palamaner
  • Sacred Heart Leprosy Centre in Kumbakonam
  • Hubli Hospital for the Handicapped in Hubli
  • RISDT-Spital in Kathipudi
  • GRETNALTES-Spital in Morampudi
  • Emmaus-Schule in Palamaneer
  • Referral English Medium High School in Kathipudi
  • GRETNALTES-Schule in Morampudi

Ziele und Aktivitäten

Durch die Entwicklung des Angebots und die Steigerung der Qualität der Gesundheitsversorgung wird der Zugang zu qualitativ hochwertigeren Gesundheitsdienstleistungen für Lepra-betroffene Menschen in den ausgewählten Spitälern verbessert. Das Gesamtziel des Projektes ist es, Menschen mit Lepra zu behandeln, um das Fortschreiten von Behinderungen zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen werden folgende ausgewählte Massnahmen und Aktivitäten ergriffen:

Durch ambulante und stationäre Behandlungen erhalten Lepra-betroffene Menschen in den Spitälern eine qualitativ hochwertigere medizinische Behandlung

• Behandlung von komplexen Lepra-Fällen.
• Behandlung von Patienten durch gut ausgebildetes medizinisches Personal.  
• Teilweise oder vollständige Kostenübernahme der Behandlungen für Bedürftige.
• Qualitative Verbesserung der Behandlungen im Rahmen von distriktweiten Projekten.
• Verhinderung und Behandlung von Behinderungen.

In den Schulen erhalten Kinder von Lepra-Betroffenen und der allgemeinen Bevölkerung eine hochwertige Grundausbildung

• Regulärer Unterricht mit altersgerechten Lerninhalten.
• Leprabetroffenen Familien durch Bildung befähigen und stärken.
• Hochwertige Grundausbildung für Kinder ländlicher Herkunft.
• Gezielte Förderung von Mädchen.

Nachhaltigkeit und Monitoring

Alle FAIRMED-Projekte werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und unter Einbezug der Bevölkerung vor Ort durchgeführt. In den regionalen FAIRMED-Länderbüros arbeiten ausschliesslich lokale Mitarbeitende. Auf diese Weise – und dank konsequentem Monitoring – können Probleme während der Projektlaufzeit rechtzeitig erkannt, auf ihre Ursachen analysiert und Methoden und Ziele gegebenenfalls angepasst werden. Durch die direkte Einbindung von Gesundheitsministieren und Partnerorganisationen wird zudem sichergestellt, dass Projekte zu einem späteren Zeitpunkt übergeben und ohne FAIRMED-Unterstützung weitergeführt werden können.

Begünstigte

Direkt vom Projekt begünstigt sind Lepra-Betroffene, die im Rahmen der distriktweiten Programme zur Früherkennung und Frühbehandlung von Lepra an die Spitäler verwiesen und dort behandelt werden. Zudem profitieren die Familien der Betroffenen sowie die allgemeine Bevölkerung der Distrikte vom verbesserten Gesundheitsangebot und der Behandlung durch gut ausgebildetes medizinisches Personal.