Zugang zu Gesundheit für die Bevölkerung in Bankim

Bankim, Kamerun

Bankim gehört zu den ärmsten und am meisten vernachlässigten Distrikten in Kamerun. FAIRMED setzt sich deshalb seit 2010 für die Errichtung eines funktionierenden Gesundheitssystems ein, das der Bevölkerung vor Ort den Zugang zu Gesundheitsleistungen ermöglicht. Besonders verletzliche Gruppen wie Mütter, Kinder und Menschen mit einer Behinderung stehen dabei im Fokus.

Hintergrund

Der Distrikt Bankim in der kamerunischen Region Adamaoua ist aufgrund der unzähligen Seiten-arme des Mape-Flusses und dem schlechten Zustand der Strassen nur schwer zugänglich. Viele Ortschaften im Distrikt sind während der Regenzeit nicht passierbar, einige Dörfer sind nur auf dem Wasserweg erreichbar. Damit ist auch der Zugang zu den gesundheitlichen Institutionen für viele Menschen schwierig, was insbesondere bei Notfällen fatal ist. Zudem sind die Gesund-heitseinrichtungen im Distrikt oftmals in einem schlechten Zustand und das Gesundheitssystem ist nicht vollständig funktionsfähig. Dies spiegelt sich in einer hohen Mütter- und Kindersterb-lichkeitsrate wie auch in einer starken Verbreitung von vernachlässigten Tropenkrankheiten wie Lepra, Buruli oder Frambösie wider. Die zu späte Diagnose oder Nichtbehandlung solcher Krankheiten können dabei zu Behinderungen oder zum Tod führen.

Das Projekt

Ziel des Projektes ist es, das Gesundheitssystem im Distrikt Bankim zu verbessern und den Menschen im Projektgebiet einen verbesserten Zugang zu Gesundheitsleistungen zu ermöglichen. Eine spezielle Beachtung wird dabei Müttern, Kindern sowie Menschen mit einer Behinderung geschenkt, da diese besonders auf Gesundheitsleistungen angewiesen sind. Zudem liegt ein besonderer Fokus auf der Früherkennung und Behandlung von vernachlässigten Tropenkrankheiten, denn diese sind in Bankim stark verbreitet und mit der richtigen und rechtzeitigen Behandlung gut heilbar.

FAIRMED ist bereits seit 2010 in Bankim tätig, das Projekt befindet sich in seiner dritten Phase. Bisher konnten bereits erfreuliche Veränderungen im Bereich der Gesundheitsversorgung erzielt werden. Dazu gehören die Einrichtung von Notfalltransporten für Schwangere, die Förderung von Geburten in Gesundheitseinrichtungen, die konstante Reduzierung der Mütter- und Neugeborenensterblichkeit, die Aufdeckung und Behandlung von neuen Fällen von vernachlässigten Tropenkrankheiten und die Sensibilisierung der Bevölkerung hinsichtlich notwendiger Massnahmen zur Bekämpfung dieser Krankheiten.

Ziele und Aktivitäten

Hauptziel dieses Projekts ist es, das Gesundheitssystem im Distrikt Bankim zu verbessern und den Menschen im Projektgebiet einen verbesserten Zugang zu Gesundheitsleistungen zu ermöglichen. Um dieses Gesamtziel zu erreichen, verfolgt das Projekt die folgenden spezifischen Ziele, die unter anderem durch die unten aufgeführten Aktivitäten angestrebt werden:

Der Zugang der Bevölkerung zu Gesundheitsleistungen wird verbessert

• FAIRMED stellt sicher, dass vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) in den Gesundheitseinrichtungen korrekt behandelt werden.
• FAIRMED stellt sicher, dass die notwendigen Medikamente zur rechtzeitigen Behandlung von NTDs vorhanden sind.
• Sensibilisierung der Bevölkerung zum Thema NTDs. So können sie die Krankheiten frühzeitig erkennen und sind über die Behandlungsmöglichkeiten informiert.
• Aufbau und Betrieb eines Notfalltransportsystems z.B. durch die Bereitstellung von Booten und Ambulanzwagen.
• Ausbildung von freiwilligen Geburtshelferinnen- und helfern.
• Organisation von Screening-Programmen für Kinder in Schulen. Dabei besuchen Gesundheitsmitarbeitende die Schulen und untersuchen jedes Kind einzeln. So werden vernachlässigte Tropenkrankheiten frühzeitig erkannt.

Die lokalen Behörden werden bei der Verwaltung des Gesundheitssystems unterstützt

• Förderung der Managementkapazitäten der verantwortlichen Personen in der Gesund-heitsbehörde des Distrikts.
• Finanzielle und technische Unterstützung der Kommunalverwaltung bei Gesundheitsfragen.

Die Zusammenarbeit zwischen den lokalen Gesundheitsakteuren wird gestärkt

• Förderung der involvierten Akteure dahingehend, dass sie alle ihre Aktivitäten dokumentieren. Dies erhöht die Transparenz und vereinfacht die Kommunikation.
• Ermittlung des Trainingsbedarfs der involvierten Akteure und Organisation der entsprechenden Schulungen.
• Etablierung von regelmässigen Konsoltations-Sitzungen und Unterstützung bei der Ausarbeitung von gemeinsamen Strategien.

Nachhaltigkeit und Monitoring

Alle FAIRMED-Projekte werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und unter Einbezug der Bevölkerung vor Ort durchgeführt. In den regionalen FAIRMED-Länderbüros arbeiten ausschliesslich lokale Mitarbeitende. Auf diese Weise – und dank konsequentem Monitoring – können Probleme während der Projektlaufzeit rechtzeitig erkannt, auf ihre Ursachen analysiert und Methoden und Ziele gegebenenfalls angepasst werden. Durch die direkte Einbindung von Gesundheitsministieren und Partnerorganisationen wird zudem sichergestellt, dass Projekte zu einem späteren Zeitpunkt übergeben und ohne FAIRMED-Unterstützung weitergeführt werden können.

Begünstigte und Budget

Die direkt Begünstigten des Projekts sind diejenigen, die das Gesundheitssystem nutzen, ins-besondere Schwangere, Neugeborene und die Menschen mit vernachlässigten Tropenkrankheiten und Behinderungen. Ebenfalls vom Projekt begünstigt sind die lokalen Behörden und das Gesundheitspersonal. Zudem profitiert die gesamte Bevölkerung des Distrikts (rund 110 000 Einwohner) von einem verbesserten Gesundheitssystem. Die Gesamtkosten für die dritte Phase des Projekts (2018 bis 2021) belaufen sich auf 854 00 Franken.

Marinette’s Geschichte
Der schmerzhafte Kampf gegen Buruli

Marinette Satou liegt seit sechs Monaten mit einem von Buruli deformierten Arm im Spital. Weil ihre Eltern sich die weite Fahrt ins Spital nicht leisten konnten, wurde die schwere Krankheit viel zu spät erkannt. Ein Schicksal, das Marinette mit vielen Bewohnern des Distrikts teilt. FAIRMED hat mit den lokalen Taxifahrern deshalb einen kostengünstigen Krankentransport aufgezogen, damit alle Bewohnerinnen und Bewohner von Bankim einen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen erhalten. Dank diesem Transport und der fachkundigen Behandlung mit Antibiotika, einer Physiotherapie und einer Hauttransplantation, ist Marinette mittlerweile auf dem besten Weg, wieder gesund zu werden.

«Ich kann es fast nicht erwarten, wieder ein normales Leben zu führen – endlich meine Geschwister wiedersehen und zur Schule gehen!»