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WHO Lepra-Statistik 2016: Ein Blick hinter die Zahlen

Anfang September veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Ergebnisse der jährlich weltweit durchgeführten Erhebung zu Lepra. 143 Staaten nahmen an der Erhebung teil – so viele wie noch nie zuvor. Doch was bedeuten die Zahlen im Hinblick auf die WHO Lepra-Strategie 2016 - 2020?

Die Karte verdeutlicht, dass vor allem Länder mit einer höheren Armutsrate von Lepra betroffen sind. (Grafik: WHO)

Die neueste WHO Statistik zeigt, wie viele Menschen in 2016 neu mit Lepra diagnostiziert wurden. Im Vergleich zu 2015 stieg die Zahl der Fälle von 210 740 auf 214 783 Menschen. Doch was bedeutet diese Veränderung im Klartext?

Auffällig ist, dass es in den letzten zehn Jahren weder eine markante Senkung noch Steigerung der Neuentdeckungen gab. Diese konstante Marke treibt Experten dazu, die bisherige Strategie zu hinterfragen. «Der Anstieg der neudiagnostizierten Fälle deutet darauf hin, dass sich die Programme zur Früherkennung in den einzelnen Ländern etwas gebessert haben, doch kann man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer höher ist», kommentiert FAIRMED-Länderverantwortlicher Dr. Marc Bonenberger die Statistik.

Die vermutete Abweichung lässt sich sehr wahrscheinlich auf schlecht funktionierende Gesundheitssysteme zurückführen, vor allem in Ländern mit einer hohen Armutsrate. Denn in der Statistik tauchen nur Personen auf, die sich in einer Gesundheitseinrichtung untersuchen lassen und somit registriert werden. So bleiben viele, die keinen Arzt aufsuchen, unter dem Radar.

Staatliche Programme brauchen Verstärkung

Ebenfalls bedenklich sind die Zahlen zu den neuentdeckten Betroffenen, die als Folge von Lepra an einer Behinderung leiden. «Dort müssen die Programme zur Früherkennung weiter gestärkt werden. Tatsächlich lässt sich an der Anzahl Menschen, die an einer lepraverursachten Behinderung leiden, erkennen, wie gut oder schlecht ein Programm eigentlich läuft», so Dr. Bonenberger.

Doch es zeichnet sich auch erfreuliches ab: Noch nie nahmen so viele Staaten an der Erhebung teil wie dieses Jahr. Das zunehmende globale Interesse an der Bekämpfung von Lepra zeigt, dass die Eliminierung von Lepra an Bedeutung gewonnen hat.

Insgesamt unterstreicht die Statistik die Wichtigkeit der Arbeit von Organisationen wie FAIRMED. Wir setzen nämlich dort an, wo viele staatliche Programme nicht in der Lage sind, alle Betroffene ausfindig zu machen oder angemessen zu behandeln. Somit leistet FAIRMED einen wichtigen Beitrag zur Eliminierung von Lepra.

Quelle: WHO Lepra-Statistik 2016

Anhaltender Trend: Seit 2006 hat sich die Zahl weltweit neudiagnostizierter Leprafälle kaum geändert. (Grafik: WHO)

Was will die WHO erreichen?


2016 führte die WHO die Strategie zur Leprabekämpfung ein: Bis 2020 soll die Übertragung der Krankheit stark eingeschränkt werden. Die Strategie verfolgt folgende Ziele:

  • Eine Lepra-Erkrankung soll bei keinem Kind mehr aufgrund zu später Erkennung zu schweren Behinderungen führen.

  • Gesetze, welche Lepra-Patienten diskriminieren, sollen aufgehoben werden.

  • Die Anzahl Menschen, die neu an Lepra verursachten Behinderungen leiden, soll auf weniger als eine Person pro eine Million Menschen reduziert werden.