FAIRMED vor Ort: Wie arbeiten Sie mit FAIRMED zusammen?
Dr. T. Dushyanthan: Ich nehme regelmässig an den Aufklärungsprogrammen teil, die FAIRMED für uns Ärzte und die Pflegefachleute zu vernachlässigten Tropenkrankheiten durchführt. In den letzten Monaten habe ich besonders eng mit der Organisation zusammengearbeitet, als es um die Identifizierung von Leptospirose und Lepra in den Gemeinden hier ging. Wir führen hier auch regelmässig Sensibilisierungsschulungen zu solchen Krankheiten durch, sowohl für medizinisches Personal als auch für Dorfmitglieder, die von FAIRMED unterstützt werden.
Warum ist die Identifizierung von Rattenfieber (das nicht zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten gehört, Anmerkung der Redaktion) wichtig?
Besonders die Landwirte sind anfällig dafür, weil sie barfuss auf schlammigen, wässrigen Feldern laufen. Um das Bewusstsein für das Rattenfieber zu schärfen, gehen wir direkt in die Dörfer und sprechen die Menschen an, anstatt von ihnen zu verlangen, dass sie zu uns kommen. FAIRMED ist die Organisation, die das ermöglicht. Sie schult zuerst die Ärzte und das medizinische Schlüsselpersonal, und dann ermöglichen sie es uns, direkt in den Gemeinden zu sensibilisieren.
Wie hoch ist die Prävalenz von Lepra in Kilinochchi?
Sie ist eigentlich ziemlich niedrig, unser Hauptproblem ist aber, dass die Menschen aus Angst vor dem Stigma nicht zum Arzt gehen. Wenn Symptome auftreten, versuchen sie, die Anzeichen der Krankheit so lange wie möglich zu verbergen. Das ist verheerend, denn Lepra wäre im Frühstadium verhältnismässig einfach zu behandeln. Unbehandelt führt Lepra bei den Betroffenen zu schweren Nervenschäden und Behinderungen. Die Betroffenen verlieren ihr Augenlicht und das Gefühl in Händen und Füssen. Im schlimmsten Fall führt Lepra zum Verlust ganzer Gliedmassen. FAIRMED bildet das medizinische Personal in der Früherkennung und Prävention von Lepra aus, so dass wir die Menschen für Lepra sensibilisieren können. Wir ermuntern sie, medizinische Hilfe anzunehmen, Tests durchzuführen und Ansteckungsketten zu durchbrechen, indem wir Angehörige und Nachbarn von Erkrankten testen.
Arbeiten Sie noch in anderen Bereichen mit FAIRMED zusammen?
FAIRMED ist die einzige Hilfsorganisation im Norden Sri Lankas, die sich im Gesundheitsbereich engagiert. Sie leistet eine unschätzbar wertvolle Arbeit, um die Lücken in der Gesundheitsversorgung zu schliessen. Besonders bei den unterprivilegierten Gemeinschaften sorgt FAIRMED dafür, das Bewusstsein für Krankheiten zu schärfen. Aber auch in der Verbesserung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung ist FAIRMEDs Einsatz nicht mehr wegzudenken! Nicht nur die Menschen mit Behinderungen aus dem Krieg werden unterstützt, sondern auch die Jugendlichen im Norden.
Warum brauchen die Jugendlichen Unterstützung?
Ihnen fehlt häufig ein sicheres Umfeld, in dem sie sich entwickeln können. Das kann in zwei extreme Richtungen gehen: Entweder sie sind die ganze Zeit unbeaufsichtigt zu Hause, weil beide Eltern zur Arbeit gegangen sind, oder sie werden im Gegenteil von ihren Eltern so sehr überwacht, dass sie kaum einen Schritt allein unternehmen dürfen. FAIRMED hat in Jaffna und Kilinochchi Jugendzentren aufgebaut, in welche die Jugendlichen nach der Schule kommen, spielen, Sport treiben, sich aber auch beraten lassen können. So können die grössten Probleme der Jugendlichen im Norden – Drogensucht, Schulabbruch, Teenagerschwangerschaft – angesprochen und durchbrochen werden.
Zum Projekt
Mit dem Gesundheitsprojekt «Vaiharai» (tamilisch für Morgenröte und Hoffnung) im Norden Sri Lankas haben wir seit Projektstart Anfang 2023 bereits vieles erreicht.
Mit Ihrer Unterstützung ist es uns gelungen, die Gesundheitsversorgung von benachteiligten Menschen in den Bezirken Jaffna und Kilinochchi massgeblich zu verbessern. Das Gesundheitspersonal ist geschult darin, wie wichtig die Bekämpfung und rechtzeitige Behandlung von vernachlässigten Tropenkrankheiten wie zum Beispiel Lepra ist. Menschen mit Behinderungen haben leichteren Zugang zu Hilfsmitteln, Unterstützung und Selbständigkeit. Alleinstehende Frauen haben mehr Chancen, für ihre Familien zu sorgen. Abgelegen lebende Menschen haben bessere Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten.
Rattenfieber
Rattenfieber, nicht zu verwechseln mit dem Rattenbissfieber, ist eine Variante der Leptospirose. Bei dieser Zoonose werden Bakterien der Gattung Leptospira über Urin, Blut oder Gewebe von infizierten Tieren auf den Menschen übertragen. Die Symptome bei erkrankten Menschen sind grippeähnlich, können aber auch zum Tod führen.
Wie geht es eigentlich Gnanamma und Sebastian?
Gnanamma, die durch eine Bombe im Krieg schwerste Verbrennungen am ganzen Körper erlitten hat (wir berichteten im Magazin September 2024), betreibt mit Unterstützung von FAIRMED und zusammen mit anderen kriegsverletzten Frauen eine Gärtnerei in Kilinochchi. «Ich bin FAIRMED sehr dankbar, bekommen wir Unterstützung beim Transport ins Spital, bei der Physiotherapie und bei Fragen rund um unsere Gärtnerei. Dank der Unterstützung von FAIRMED können wir nun Geld verdienen und stehen auf eigenen Füssen!»
Sebastian Satheeskumar aus Kilinochchi ist seit dem Krieg querschnittgelähmt. Seinen Kiosk (wir berichteten im September 2024) kann er inzwischen nicht mehr betreiben, sein Sohn hat das Geschäft übernommen. «Mein Zustand hat sich verschlechtert, im Moment liege ich die ganze Zeit», sagt Sebastian. «Zum Glück hilft mir FAIRMED, die komplizierten Behandlungen sicherzustellen und zu schauen, dass ich Schmerzmittel bekomme. Auch die regelmässigen Gespräche bei Hausbesuchen helfen mir, nicht zu verzweifeln und die Hoffnung nicht zu verlieren!»
