March 2026

Ein Tag im Leben der Algenzüchterin Mary Janani

Die 39-jährige Mary Janani ist verheiratet, Mutter zweier Kinder im Alter von 12 und 16 Jahren und arbeitet seit 12 Jahren als Algenbäuerin.

FAIRMED vor Ort: Kannst du uns erzählen, wie die Algenzucht in deinem Dorf begonnen hat?

Ein Mitarbeiter von Hayleys hat mitten im Dorf einen Schuppen aufgestellt, ist auf uns zugekommen, hat uns von der Verwendung von Algen erzählt und wie man sie zum Beispiel zur Herstellung von Gelees verwenden kann. Wir wurden im Anbau geschult und machen das seitdem kontinuierlich.

Wie lange bist du am Tag im Meer, um Algen anzubauen?

Ich gehe um 8 Uhr morgens ans Meer, nachdem ich hier fertig gekocht und meine Tochter zur Schule geschickt habe. Ich komme um 12 Uhr zurück, fahre dann um 14 Uhr wieder und bleibe bis 18 Uhr am Meer.

Bist du jeden Tag so lange im Wasser?

Nicht unbedingt jeden Tag, aber mindestens alle paar Tage. Es ist Rotationsarbeit: Wir setzen die Algen ins Meer, drehen sie um, entfernen den Schmutz, der sich angesammelt hat, schleppen die Algen wieder ein und trocknen sie. An einigen Tagen braucht das viel Zeit, aber nicht an allen.

An wie vielen Tagen im Monat bist du mit dem Algenanbau vollzeitbeschäftigt?

Etwa vier bis fünf Tage, es kommt darauf an. Wir gehen jeden Tag ins Meer, aber während die Algen wachsen, müssen wir nur den Schmutz von ihnen entfernen, was nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt – morgens und abends höchstens eine Stunde. Aber alle 18 bis 30 Tage, abhängig von den saisonalen Wetterbedingungen, sind wir Vollzeit am Meer, abgesehen von den Kochzeiten im Haushalt.

Wann stehst du an einem durchschnittlichen Tag auf und wann gehst du ins Bett?

Ich stehe um vier Uhr morgens auf, erledige Haushaltsaufgaben, koche sowohl Frühstück als auch Mittagessen, helfe meiner Tochter beim Packen für die Schule und bin dann um acht Uhr morgens am Meer. Nach 18 Uhr helfe ich meiner Tochter bei den Hausaufgaben, esse zu Abend und gehe dann um 22 Uhr ins Bett.

Wenn es um Arbeitsmöglichkeiten für Frauen in euren Dörfern geht, gibt es die Algenzucht. Gibt es noch andere Möglichkeiten, hier als Frau Geld zu verdienen?

Manche Frauen schneidern. Andere betreiben Landwirtschaft – oder besser gesagt, sie bauen Gemüse aus ihren kleinen Hausgärten an. Es gibt nicht allzu viele Möglichkeiten.

Und die Männer?

Sie sind hauptsächlich Fischer. Einige verrichten Maurer- und Bauarbeiten, wenn sie Aufträge bekommen, das ist aber eher selten, da wir sehr weit von der Stadt entfernt leben.

Wieviel verdient ihr am Algenanbau?

Wir haben als Dorfbewohner keine Verhandlungsmacht mit den Algen-Unternehmen. Unser momentaner Abnehmer Marine Lanka zahlt uns 250 sri-lankische Rupien pro Kilogramm getrockneter Algen, und in Colombo verkaufen sie das Kilo für 1500 Rupien weiter. Es ist uns nicht gelungen, einen besseren Preis zu verhandeln, obwohl wir extra Trockengestelle angeschafft haben, weil sie uns sagten, die Algen, die wir auf Planen auf dem Strandboden trockneten, seien zu schmutzig. Nun verkaufen wir die nassen Algen für 60 Rupien pro Kilogramm, das ist für uns kostengünstiger, denn es braucht acht bis neun Kilogramm nasse Algen, um ein Kilogramm trockene Algen herzustellen.

Wie erlebst du FAIRMEDs Unterstützung beim Algenanbau?

FAIRMED hat uns sehr geholfen. Nicht nur, dass wir endlich die abgenutzten, kaputten Arbeitsgeräte ersetzen konnten, auch die fachkundige Begleitung bei der Organisation als Kollektiv ist hilfreich für uns. Der FAIRMED-Mitarbeiter Medoshan Pereira besucht unser Algen- Kollektiv regelmässig, macht mit uns Übungen zur Stärkung der Gemeinschaft. So ist sichergestellt, dass wir gut funktionieren, uns regelmässig treffen, verantwortungsbewusst und transparent handeln, so dass wir uns als Gemeinschaft weiterentwickeln können.

Können Algen die Welt retten?

Algen gelten als vielversprechende grüne «Technologie», um globale Krisen in den Bereichen Klima, Ernährung und Energie zu bewältigen. Sie gelten als Superhelden der Meere, da sie CO2 50-mal effizienter binden können als Landpflanzen. Meeresalgen produzieren etwa die Hälfte des weltweiten Sauerstoffs. Die Pflanze könnte der Superfood der Zukunft werden: Sie ist reich an Protein, Vitaminen, Mineralien und Omega-3-Fettsäuren. Da der Anbau von Algen weder Ackerland, Pestizide noch Frischwasser benötigt, ist ihr Anbau extrem nachhaltig.

https://www.safeseaweedcoalition.org/