March 2026

«Empowerment ist das A und O jeder Hilfe»

Marc Matter ist Dozent für Wirtschaftsenglisch und Leiter des Sprachenzentrums an der Hochschule für Wirtschaft in Freiburg. Er lebt mit seiner Familie in Ittigen bei Bern und ist FAIRMED-Unterstützer. Der 55-Jährige erzählt, was für ihn bei einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung wichtig ist und was er selber tut, um gesund zu bleiben.

FAIRMED vor Ort: Warum engagieren Sie sich für FAIRMED?

Marc Matter: Grundsätzlich freut und ermutigt mich die Arbeit von FAIRMED sehr. Von den vielen guten Dingen, die FAIRMED tut, überzeugt mich vor allem, dass FAIRMED Gesundheitshelfende vor Ort ausbildet. Für mich ist solches Empowerment das A und O jeder Hilfe: Wenn benachteiligten Menschen etwas ermöglicht werden kann, das sie selbst bestimmen, gestalten und entwickeln können, wenn wir diese Tätigkeiten dann nicht mehr kontrollieren, sondern die Menschen selbst dies tun. Denn sie wissen ja am besten, was wie gemacht werden soll, wie die Hilfe in ihrem Lebensbereich aussehen soll und was die Menschen vor Ort brauchen.

Tatsächlich funktionieren die Gesundheitsprojekte von FAIRMED nach diesem Prinzip. Warum ist es Ihnen wichtig, dass auch arme und benachteiligte Menschen eine faire Gesundheitsversorgung bekommen?

Ich finde das einfach nur gerecht. Gründe dafür gibt es viele, zum Beispiel Mitmenschlichkeit, Empathie und Ethik. Aber vielleicht geht mein Anliegen für eine faire Gesundheitsversorgung für arme und benachteiligte Menschen auch auf persönliche Erlebnisse zurück. Anfang der Neunzigerjahre, kurz nach dem Fall des rumänischen Diktators Nicolae Ceaușescu, konnte ich beim Unterstützen einer Hilfsorganisation im zerstörten Land hautnah miterleben, was es für die Menschen dort hiess, mittellos, benachteiligt, unterdrückt und krank zu sein. Das hat mich zutiefst erschüttert. Es liegt nur eine relativ kleine Distanz zwischen der Schweiz und Rumänien, aber die Möglichkeiten, welche die Menschen in diesen zwei Ländern hatten, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Diese Erfahrung motiviert mich bis heute, mich für Organisationen zu engagieren, die sich für die Bekämpfung von Armut und sozialer Ungerechtigkeit und für eine faire Gesundheitsversorgung stark machen. Oder auch anders gesagt: Organisationen, die dazu beitragen, dass der Zugang zu Ressourcen und Möglichkeiten auch für andere erreichbar und greifbarer wird.

Warum ist Ihnen die faire Gesundheitsversorgung wichtig?

Weil mich dünkt, dass wir auf sehr vielen Ebenen etwas bewirken können, wenn wir die Gesundheitsversorgung von vernachlässigten Menschen verbessern. Den Menschen geht es dank einer verbesserten Versorgung nicht einfach «nur» gesundheitlich besser, sondern sie bekommen damit auch neue Möglichkeiten, Wege tun sich auf. Eine Frau, die ein gesundes Kind zur Welt bringt, kann sich später eventuell auch besser um dessen Entwicklung und Ausbildung kümmern. Jemand, der wieder sieht, hat ganz neue Möglichkeiten zu arbeiten und am Leben teilzunehmen. Mit oft nur kleinem Aufwand lässt sich mit einer medizinischen Grundversorgung also viel ausrichten. Auch wenn ich allen Menschen in der Schweiz oder in den wohlhabenden Ländern ganz allgemein die bestmögliche Gesundheitsversorgung von Herzen gönne, finde ich es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass man in Teilen der Welt so viel Geld für eine hochtechnisierte Medizin ausgeben kann, während so viele Menschen in Ländern Asiens und Afrikas vergeblich auf das lebensrettende Antibiotikum, den Wundverband, die schützende Impfung oder das ersehnte Schmerzmittel warten müssen.

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«Mit oft nur kleinem Aufwand lässt sich mit einer medizinischen Grundversorgung also viel ausrichten.»

Was sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Gesundheit?

Ich habe einige Jahre in den Fussstapfen meines Vaters als Sport-Masseur gearbeitet. Ich weiss, welch tiefe Wirkung manuelle Therapien haben können und konnte oft Genesungsprozesse direkt mit meiner Tätigkeit unterstützen. Ich habe mich immer sehr darüber gefreut, wenn es Menschen mit der Zeit besser ging. Ein weiterer Anknüpfungspunkt mit dem Thema Gesundheit ist, dass ich selbst aufgrund einer Blutgerinnungsstörung auf ein Medikament angewiesen bin. Es ist für mich relativ einfach, diese Störung selbst zu regulieren, und mir ist bewusst, dass mein Leben, wenn ich in einem afrikanischen Land leben würde, ganz anders aussehen könnte – oder dass ich gar nicht leben würde. Und vielleicht noch ein weiterer Punkt: Als meine Kinder noch klein waren – und auch heute noch – leide ich immer voll mit, wenn sie an etwas erkranken, auch wenn dies nur ein tagelang anhaltender Husten ist. Ich empfinde es immer als grosse Erleichterung, mich dann fachmännisch von unserer Kinder- Jugendärztin beraten zu lassen.