Der Duft von Ingwer, Sesam und süssen Gewürzen erfüllt die kleine Küche von Santola Pandey. Behutsam rührt die 65-Jährige eine traditionelle Mischung an, die ihrer Schwiegertochter nach der Geburt neue Kraft geben soll. Vor ihrem Haus versammeln sich nach und nach Frauen aus dem Dorf. Sie lachen, erzählen, hören zu. Sie alle sind Teil der örtlichen Müttergruppe des kleinen Dorf Piparhawa im Süden Nepals, das zu unserem Projekt «von Mensch zu Mensch» in Lumbini gehört.
Als Leiterin der Müttergruppe setzt sie Santola mit Leidenschaft für die Gesundheit von Schwangeren und Neugeborenen ein. Sie informiert die Familien über sichere Geburten und begleitet werdende Mütter ins Geburtszentrum. Heute kommen fast alle Babys des Dorfes dort sicher zur Welt. Komplikationen bei Geburten sind deutlich seltener geworden – und viele Familien können mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
«Niemanden, der sich so für seine Gemeinschaft einsetzt»
Wer Santola heute erlebt, spürt ihre Stärke. Kaum jemand würde vermuten, welchen Weg sie hinter sich hat. Vor vielen Jahren erhielt sie die Diagnose Lepra. Kurz darauf erkrankte auch ihre Tochter. Die Krankheit brachte nicht nur körperliche Schmerzen mit sich, sondern bedeutete auch Angst, Scham und Ausgrenzung. Im Dorf mieden viele Menschen die Familie. Ihr Mann und ihr Sohn verloren ihre Arbeit. Plötzlich stand die Zukunft der ganzen Familie auf dem Spiel. Doch Santola weigerte sich, ihr Leben von der Krankheit bestimmen zu lassen und liess sich erfolgreich behandeln. In einer von FAIRMED gegründeten Selbsthilfegruppe erhielt sie ausserdem die Chance auf einen Neuanfang und beschloss, anderen das zu ersparen, was sie selbst erlebt hatte.
Heute geht sie von Haus zu Haus, spricht in Schulen über Lepra und arbeitet eng mit den örtlichen Frauengruppen zusammen. Sechs Frauen erhielten dank Santola so bereits eine frühzeitige Diagnose, wurden rechtzeitig behandelt und können heute ohne sichtbare Folgen weiterleben. Aus eigener Erfahrung weiss Santola, wie entscheidend eine solch frühe Diagnose ist.
Dabei hat Santola nie lesen und schreiben gelernt. Sie spricht nicht einmal die offizielle Landessprache Nepali. Und trotzdem lässt sie sich von niemandem einschüchtern. «Santola geht ganz alleine zu den Verantwortlichen der Kommunalverwaltung und fordert Unterstützung für ihr Dorf und gibt nicht auf, bis sie gehört wird», erzählt FAIRMED-Projektmitarbeiter Shivratan Chamar. «Sie würde es selbst nie sagen, aber in unserem Bezirk gibt es niemanden, der sich mit so viel Mut und Herzblut für seine Gemeinschaft einsetzt wie sie».
Santolas Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn Menschen die Chance bekommen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Aus einer Frau, die einst unter Ausgrenzung litt, ist eine Hoffnungsträgerin geworden. Sie schützt heute Frauen, Kinder und ganze Familien. Und verändert das Leben ihres Dorfes damit nachhaltig.
Ihre Unterstützung schenkt Hoffnung!
Im nepalesischen Lumbini bauen wir im Rahmen des Projekts «von Mensch zu Mensch» unter anderem Gesundheitsstationen auf, errichten einfache Kliniken, gründen Müttergruppen und bilden Gesundheitshelfende aus und weiter. Mit Ihrer Unterstützung ermöglichen Sie frühe Diagnosen, sichere Geburten und stärken engagierte Gemeindemitglieder wie Santola, die ihre Dörfer von innen heraus verändern.

