FAIRMED vor Ort: Was motiviert dich, für FAIRMED zu arbeiten?
Sathananthan Saseekanth: Meine Arbeit ist sehr vielseitig und sinnvoll, weil ich tagtäglich dazu beitragen kann, dass es den Menschen besser geht, dass sie gesünder, selbstbewusster und selbstständiger werden.
Was sind deine Aufgaben?
Ich erfasse Gesundheitsfragen, verfolge vernachlässigte Tropenkrankheiten, mache das Contact Tracing bei an Lepra erkrankten Menschen, beteilige mich an Sensibilisierungskampagnen zum Beispiel für den Umgang mit Ausbrüchen des Rattenfiebers oder Schlangenbissen. Mein Schwerpunkt ist die Gesundheitsversorgung, Stärkung und Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen.
Woran fehlt es ihnen am meisten?
Oft haben sie keine Ahnung, dass sie Anspruch auf Unterstützung vom Staat haben. Darum besuche ich sie persönlich in ihren Häusern, spreche direkt mit ihnen, identifiziere ihre besonderen Probleme und versorge sie so gut wie möglich mit dem, was sie benötigen. Dann helfe ich ihnen zum Beispiel, ihre Wohnungen mit Zugangsrampen, Pipelines und fliessendem Wasser anzupassen, die Toiletten behindertengerecht umzubauen, oder versorge sie mit massgeschneiderten Rollstühlen und Krücken.
«Ich helfe, Wohnungen mit Pipelines und fliessendem Wasser anzupassen oder Toiletten behindertengerecht umzubauen.»
Und du hilfst ihnen auch, sich zu vernetzen und zu organisieren.
Ja, das ist sehr wichtig, denn oft fühlen sich Menschen mit Behinderungen einsam, weil sie nicht vernetzt sind mit anderen Menschen, welche die gleichen Probleme haben. Deshalb ist es auch Teil meiner Arbeit, Menschen mit Behinderungen mit ihresgleichen bekannt zu machen und dafür zu sorgen, dass sie Zugang zu Selbsthilfegruppen bekommen. Ich unterstütze sie auch dabei, sich als Selbsthilfegruppen zu organisieren, mit der Bereitstellung von Computern und Schreibwaren mit offiziellem Briefkopf. Wenn sie als organisierte Gruppe mit aufgedrucktem Briefkopf eine Petition einreichen, haben sie viel bessere Chancen, gehört zu werden, als wenn sie dies als einzelne Menschen tun.
Gibt es noch andere Lücken, welche FAIRMED in der Gesundheitsversorgung von benachteiligten Menschen im Norden Sri Lankas zu schliessen hilft?
Ja, wir arbeiten auch an der Stärkung von Frauen, die im Zugang zu Gesundheit benachteiligt und oft so arm sind, dass sie erst aufhören zu arbeiten und zum Arzt gehen, wenn sie nicht mehr können. Wir unterstützen verschiedene Gruppen von benachteiligten Frauen, die nicht selten allein ganze Familien zu ernähren haben, beim Erwirtschaften von Geld und sorgen für ihre medizinische Versorgung. Abgelegen lebende, sehr ärmliche Gemeinschaften untersuchen wir kostenlos auf nicht übertragbare Krankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes. Es ist erschütternd zu sehen, wie viele Menschen seit Jahren an diesen Krankheiten leiden und erst jetzt behandelt werden! Ist dies vor allem auf dem Land ein Problem? Das würde man denken, ist aber leider nicht so. Selbst in der Stadt Jana, wo wir ein gutes Spital haben, gehen die Menschen erst zum Arzt, wenn sie sich sterbenskrank fühlen. Da die meisten Menschen unter einem enormen wirtschaftlichen Druck stehen und um ihre Existenz kämpfen, können sie es sich nicht leisten, krank zu sein. Denn wer krank ist, kann nicht arbeiten. Und wer nicht arbeitet, kann kein Essen kaufen, die Schulbücher der Kinder nicht bezahlen. Um diesen Teufelskreis von Armut und Krankheit durchbrechen zu helfen, stehe ich jeden Morgen gerne auf!
