Noch bevor die Sonne aufgeht, ist FAIRMED-Gesundheitshelferin Munki Chaudhary bereits auf den Beinen. Die 38-Jährige begrüsst den Morgen um fünf Uhr mit ein paar Spritzern kaltem Wasser aus der Pumpe im Vorgarten, dann beginnt das vertraute Ritual: Frühstück für die Familie zubereiten, der sechsjährigen Tochter das Mittagessen für die Schule einpacken, sich auf den langen Tag vorbereiten. Das Haus in Gaidahawa, das sie mit ihrem Mann, ihrer Tochter und den Schwiegereltern teilt, erwacht langsam zum Leben – doch Munki ist in Gedanken schon längst unterwegs.
Um zehn Uhr morgens surrt ihr Motorroller bereits über holprige Feldwege, vorbei an satten grünen Reisfeldern. Unter dem Sitz liegt ein aufgerolltes Poster zur Gesundheitsaufklärung für Mütter. Bei drückender Hitze von bis zu 40 Grad legt sie weite Strecken zurück, um die entlegensten Winkel der Gemeinde zu erreichen. Ein typischer Arbeitstag führt Munki zu mehreren Stationen. Zu Begünstigten, die sie persönlich betreut, zu lokalen Gesundheitsstationen und zu Treffen von Müttergruppen. Manche Ziele erreicht sie zu Fuss, andere liegen eine Stunde Fahrt entfernt.
Kindheit zwischen Entbehrung und Stärke
Munki arbeitet seit 2021 bei FAIRMED, doch der Weg dahin war alles andere als einfach. Als sie in der achten Klasse war, stand ihre Familie vor einer schwerwiegenden Entscheidung: Konnten sie es sich leisten, die Tochter weiterhin zur Schule zu schicken? «Wenn wir zu Abend gegessen hatten, wussten wir oft nicht, ob wir am nächsten Morgen frühstücken können», erinnert sich Munki. Es waren ihre Lehrer, die schliesslich eingriffen und gemeinsam die Einschreibegebühr von 1 000 Nepalesischen Rupien aufbrachten. Der Einsatz sollte sich mehr als auszahlen: Wenige Jahre später wurde Munki das erste Mädchen aus den marginalisierten Gemeinschaften der Tharu und Madhesi in ihrer Region, das die zehnte Klasse abschloss.
«Ich hatte Glück», sagt sie mit einem Lächeln. «Als ich es am dringendsten brauchte, erhielt ich viel Unterstützung. Und genau diese Unterstützung möchte ich anderen weitergeben, die sich in einer ähnlich kritischen Lage befinden.»
Bereits mit 16 Jahren engagierte sie sich in Jugendgruppen, die sich für Bildung und Armutsbekämpfung einsetzten – angetrieben von einem ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit. «Ich wusste schon damals, dass ich diese Arbeit machen wollte», sagt sie. Seither ist ihr Antrieb, direkt mit der Gemeinschaft zu arbeiten und konkrete Veränderungen im Leben der Menschen zu bewirken, nur noch gewachsen. «Da ich vieles selbst erlebt habe, verstehe ich, was unsere Begünstigten durchmachen. Ich möchte ihnen gerecht werden – auf jede erdenkliche Weise.»
In ihrem Element bei der Müttergruppe
Wenn sich zwei Dutzend Frauen der Chetanshil Müttergruppe um Munki und Lalita Tharu, eine freiwillige Gesundheitshelferin aus der Gegend, scharen, ist Munki ganz in ihrem Element. Im Schatten eines Baumes sprechen sie über Nachsorge nach der Geburt; an den Stamm gelehnt hängt eine Tabelle zur nachgeburtlichen Sicherheit.
Die Gruppe besteht seit fünf Jahren. Munki war von Beginn an dabei und hat beim Aufbau mitgeholfen. «Alle Frauen im Dorf gehen inzwischen zur Entbindung in die Gesundheitseinrichtungen», erklärt Munki, «weil die Mitglieder der Gruppe das Wissen, das sie hier erwerben, in ihrem Umfeld weitergeben.» Und sie ergänzt: «Wir sprechen viel über Schwangerschaftsvorsorge und sichere Geburten. Aber wir haben erkannt, dass auch die Zeit nach der Geburt mehr Aufmerksamkeit braucht.»
Einmal im Monat treffen sich die Frauen. «Es macht wirklich Freude», sagen sie. «Wir haben so viel gelernt: Wir teilen Freuden und Sorgen, erfahren alles über Elektrolytlösungen, Vorsichtsmassnahmen in der Schwangerschaft, Lepra-Früherkennung und vieles mehr.» Dass Munki in der Gegend aufgewachsen ist, die lokalen Sprachen spricht – eine Mischung aus Bhojpuri und Awadhi – und die Lebenswelt der Frauen aus eigener Anschauung kennt, macht es ihr leichter, ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Menschen sehen sie als eine der Ihren. Als Tochter des Dorfes.
Behandlung stoppte Lepra – Munki stoppte die Isolation
So erlebt es auch Lala Kumari Yadav, eine 35-jährige Frau, die seit vielen Jahren mit den Folgen von Lepra lebt. Wenn sich herumspricht, dass Munki zu Besuch ist, kommen mitunter auch Lalas Nachbarn vorbei, um sich mit ihr zu unterhalten und Rat zu suchen.
Lala erkrankte bereits mit 15 Jahren an Lepra. Die Krankheit kostete sie die Gebrauchsfähigkeit einer Hand. Schliesslich erhielt sie eine Behandlung, die die Ausbreitung stoppte. Doch erst als sie Munki vor vier Jahren über die lokale Gesundheitsstation kennenlernte, erfuhr sie von Massagetechniken und Selbstpflegemassnahmen, die das Infektionsrisiko an den betroffenen Stellen deutlich reduzieren können.
Nachdem die Nachbarn sich verabschiedet haben, setzt sich Munki neben Lala und fragt, wie es ihr geht. «Mir geht es gut», sagt Lala und lächelt, «ich komme zurecht. Die Massagen mache ich weiterhin.» Ihre linke Hand kann sie aufgrund der Schäden an Muskeln und Knochen nicht benutzen, die Hausarbeit erledigt sie allein mit der rechten. Zwischen den beiden Frauen, die sich nun seit vier Jahren kennen, herrscht eine herzliche, ungezwungene Vertrautheit.
Die Gesundheitsstation: ein verlässlicher Ankerpunkt
In der Ramnagar Adharbhut-Gesundheitsstation, die das Dorf Gaidahawa und seine Umgebung versorgt, ist Munkis Besuch stets willkommen. Die Station empfängt täglich mindestens 45 Patientinnen und Patienten und ist für die Gesundheitsversorgung von über 54 000 Menschen zuständig. Eine Aufgabe, die das Team täglich an seine Grenzen bringt.
Munki unterstützt das Stationspersonal mit gezielten Schulungen, darunter in Kürze eine Fortbildung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten. Sie ist aber auch da, wenn ganz praktische Hilfe gefragt ist. «Vor Kurzem brauchten wir dringend Unterstützung bei den Impfkampagnen», erzählt Mitarbeiterin Shakuntala. «Munki hat sofort zugesagt, mit den Familien gesprochen, bei der Anmeldung geholfen, einfach angepackt. Wir freuen uns immer, wenn Munki vorbeikommt», sagt Shakuntala.
«Danke, dass Sie den Menschen in Lumbini den Zugang zu Gesundheit ermöglichen»
Chiranjibi • Projektverantwortlicher Lumbini
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