Dezember 2025

Gleichberechtigt dank Geburtszertifikat

Wie Sklaven behandelt, ohne Rechte und ihres Lebensraums beraubt: So sind die rund 300 indigenen Bedzang, die im Mapé-Gebiet Kameruns leben, in den letzten Jahrzehnten immer mehr unter Druck geraten. FAIRMED engagiert sich mit einer umfassenden Stärkung der medizinischen Versorgung der vernachlässigten Bevölkerungsgruppe. Erste Zahlen machen Hoffnung, dass es den Bedzang bereits besser geht.

«Die Studienlage ist ziemlich dünn», sagt Danielle Wellignon, die für FAIRMED die Bedzang-Gemeinschaften besucht hat, Interviews geführt und die verfügbaren Statistiken untersucht hat. «Was wir mit Sicherheit sagen können, ist, dass inzwischen 60 bis 70 Prozent der Bedzang-Haushalte über Latrinen verfügen und 50 bis 60 Prozent Zugang zu Trinkwasser haben. Wir beobachten einen allmählichen Rückgang von Hautinfektionen, Magen-Darm-Erkrankungen und vernachlässigten Tropenkrankheiten.»

Rund ein Fünftel der Menschen im Mapé-Gebiet leiden an diesen Krankheiten, und es ist davon auszugehen, dass die Bedzang aufgrund ihrer abgeschiedenen Wohnlage, der prekären sanitären Einrichtungen und der schlechten medizinischen Versorgung noch eine viel höhere Zahl an Erkrankungen vorzuweisen haben, sagt Wellignon: «Wir sehen bei den Bedzang-Gemeinschaften Menschen, die gleich mehrere vernachlässigte Tropenkrankheiten haben. Sie stecken sich auch schneller an, weil sie auf so kleinem Raum zusammenleben.»

Mit dem Bau von Latrinen und der Ausbildung von Gesundheitsbeauftragten in den Gemeinschaften gelingt eine allmähliche Eindämmung dieser Krankheiten, so Wellignon weiter: «Die Bedzang haben nun das Wissen, woran sie die Krankheiten erkennen, wann sie ins Gesundheitszentrum gehen sollten und wie sie die Krankheiten richtig behandeln.»

Ohne Geburtszertifikat gibt es keinen Rechtsschutz

Die Mütter- und Kindersterblichkeit der Bedzang wird um ein Vielfaches höher vermutet, als die Statistik über die kamerunische Gesamtbevölkerung beziffert, sagt Danielle Wellignon: «Wir reden von 406 Müttern, die auf 100'000 Geburten sterben, von 26 Neugeborenen, die auf 1000 Geburten sterben, und von 70 von 1000 Kindern, die vor dem fünften Geburtstag sterben. Wir schätzen aber, dass bei den Bedzang nur jedes zweite Kind überhaupt das Erwachsenenalter erreicht und dass anteilsmässig mehr Frauen bei Geburten und Femiziden sterben, weil sie bisher keine medizinische Versorgung und kaum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte genossen.»

Und hier tut sich die grösste Chance auf eine Verbesserung der Lebensqualität der Bedzang auf, so Wellignon weiter: «Gebären die Bedzang-Frauen ihre Kinder in medizinischen Einrichtungen, bekommen sie ein Geburtszertifikat für ihr Baby, womit es erst zum Staatsbürger Kameruns wird und womit es erst als juristische Person vor dem Staat existiert. Denn nur mit einem Geburtszertifikat erhalten die Bedzang einen Personalausweis, werden offiziell registriert und stehen unter demselben Rechtsschutz wie der Rest der Bevölkerung. Bisher waren die meisten Bedzang nicht registriert, existierten also offiziell gar nicht und konnten, wenn sie Unrecht erlitten, vor keinem Gericht recht bekommen.»

Erste Trends machen Hoffnung

Tatsächlich zeigen die Felddaten einen klaren Trend unter den Bedzang hin zu modernen Gesundheitspraktiken in der Mütter- und Kinderbetreuung. Etwa 50–70 % der schwangeren Frauen nehmen an mindestens einer Schwangerenvorsorge teil, und 25–40 % absolvieren die empfohlenen vier oder mehr Besuche. Diese Zahlen liegen zwar noch immer unter den nationalen Zielen, stellen aber eine deutliche Verbesserung gegenüber der bisherigen Praxis dar, bei der Geburten ausschliesslich zu Hause mit traditionellen Heilmitteln durchgeführt wurden.

Wer sind die Bedzang?

Unter den über 20 Millionen Menschen, die in Kamerun leben, bezeichnen sich mehr als eine Million Menschen als indigen. Die grössere Gruppe von ihnen sind die Mbororo und Kirdi, die als Viehhirten leben – die kleinere Gruppe sind die Jäger und Sammler, früher als Pygmäen bezeichnet: Zu ihnen gehören die 40'000 Baka, die im Osten und Süden Kameruns leben, sowie die Minderheit der nur noch rund 300 Bedzang, die in der Zentralregion Kameruns wohnen. Die Bedzang sprechen einen Tikar-Dialekt, der ihre historische Verbindung zum Volk der Tikar widerspiegelt. Traditionell Jäger und Sammler, haben die Bedzang eine starke Verbindung zum Ökosystem des Waldes. Durch die Abholzung verlieren sie nicht nur zunehmend ihr angestammtes Land, sondern auch ihre kulturelle Identität.

Mit bemerkenswerter Widerstandfähigkeit und grossem Engagement beteiligen sich die Bedzang aktiv an indigenen Interessenvertretungsnetzwerken wie der nationalen Plattform der Organisationen indigener Waldvölker in Kamerun. Zu der Bedzang-Kultur gehören eine ursprünglich matriarchale, unhierarchische und gewaltlose Gemeinschaft, traditionelle Jagd- und Sammelmethoden mit Pfeil, Bogen und Netzen, ein weltweit einzigartiger Schüttel-Tanz sowie der polyfone Gesang in der Gruppe, mündlich überlieferte Erzählungen und eine tiefe spirituelle Verbundenheit zum Wald, der für die Bedzang eine lebendige, göttliche Einheit darstellt.

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