Juni 2023

Gesundheitshölle oder Inselparadies?

Da die Menschen in den Distrikten Jaffna und Kilinochchi im Norden Sri Lankas medizinisch besonders schlecht versorgt sind, hat FAIRMED sich entschieden, ihre Gesundheitsprojekte auf diese Gebiete auszuweiten.

Mit dem neuen Projekt Vaiharai (tamilisch Morgenröte, im übertragenen Sinn Hoffnung) setzt FAIRMED sich zum Ziel, die Lebensbedingungen von besonders benachteiligten Menschen im Norden Sri Lankas zu verbessern. Sie sollen eine faire, allen zugängliche und bedürfnisgerechte medizinische Versorgung erhalten. Besonderes Augenmerk liegt auf den zahlreichen Menschen mit Behinderungen und Frauen, die ihre Familien allein durchbringen müssen. Extreme Armut, noch verstärkt durch die aktuelle Wirtschaftskrise, belastet die Menschen in den Distrikten Jaffna und Kilinochchi ebenso wie die Schatten des Bürgerkriegs, von denen sie in Form von vermissten Familienmitgliedern, erlittener Gewalt oder Behinderungen durch Kriegsverletzungen verfolgt werden.

Es fehlt an Trinkwasser, Toiletten und Waschgelegenheiten, wodurch sich vernachlässigte Tropenkrankheiten besonders gut ausbreiten können. Zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten, an denen arme Menschen in Sri Lanka unverhältnismässig häufig leiden, gehören Lepra, Tollwut, Dengue, Leishmaniose, Lymphatische Filariose, Schlangenbissentzündung und Wurmerkrankungen. Mit dem Projekt Vaiharai werden die Gesundheitsstrukturen verbessert und die Menschen für Gesundheitsthemen sensibilisiert. Die Bevölkerung wird von Anfang bis Ende des Projekts einbezogen, sodass sie ihre Bedürfnisse äussern, Verantwortung übernehmen und nach Ende des Projekts ohne die Unterstützung von FAIRMED selber ein starkes Gesundheitssystem weiterführen kann. Das Projekt wird vor Ort durch ein schlankes Team von Tamil*innen des FAIRMED-Büros in Jaffna aus koordiniert. FAIRMED arbeitet eng mit dem Gesundheitspersonal der Regierung zusammen. Das Projekt läuft von 2023 bis 2026 und ist durch ein Gesamtbudget von 789 639 Franken finanziert.

Zielgruppen

746 000 Menschen in den Norddistrikten Jaffna und Kilinochchi, davon

39 609

Vaterlose Haushalte

75 000

Menschen mit Behinderungen

Die Insel Delft heisst auf Tamilisch Nedunthivu, was «lange Insel» bedeutet, und ist ein Korallenatoll mit einer langen Geschichte von verschiedenen Kolonialherrschaften. Neben vorgelagerten Korallenriffen liegen kaum erschlossene, prächtige Strände aus feinstem weissem Sand und türkisfarbenem, meist recht sanft schaukelndem Meer, in das man weit hinauswaten kann. Die rund 5000 Inselbewohnenden leben weitgehend von der Fischerei und schlecht bezahlten Gelegenheitsarbeiten. Rund tausend Ponys, Überbleibsel aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft, leben in freier Wildbahn auf der Insel, Mauern aus Korallen zieren die Häuser und Felder. Besonders unter in Sri Lanka lebenden, jüngeren Abenteuerreisenden ist die Insel Delft ein beliebtes Tagesausflugsziel.

Das Allerwichtigste an einem Tagesausflug auf die Insel Delft ist, die abendliche Fähre zurück aufs Festland nicht zu verpassen – denn auf der Insel gibt es kaum Übernachtungsmöglichkeiten, die diesen Namen verdienen. Oft herrscht Mangel an Trinkwasser, das über den Wasserweg vom Festland hertransportiert wird, und oft fällt inselweit der – von einem einzigen Generator produzierte – Strom aus. Das Zweitwichtigste auf der Insel Delft ist, gut aufzupassen, auf keine Schlange zu treten. Die Rate an Todesfällen durch Schlangenbisse ist hier überdurchschnittlich hoch, und die Chance, eine rechtzeitige und gute medizinische Versorgung zu erhalten, überdurchschnittlich tief.

Eines der grössten Gesundheitsprobleme auf der Insel Delft ist die Mangelernährung der Bewohnerinnen und Bewohner. Nicht nur die durch die Wirtschaftskrise in die Höhe schnellenden Lebensmittelpreise sind ein Problem, sondern auch der trockene Bodenuntergrund aus Koralle, auf dem kaum Gemüse angepflanzt werden kann. Gemüse wird meist vom Festland importiert und ist für die meisten Menschen auf der Insel unerschwinglich.

Das will der 62-jährige Karunaharan Kandaiyah (rechts) mit Unterstützung von FAIRMED (links Landeskoordinatorin Nayani Suriyarachchi) ändern. Mithilfe eines ausgeklügelten Wasserentsalzungs- und Bewässerungssystems ist er der erste Bauer auf der Insel, der Tomaten, Auberginen, Okra, Kürbisse und Bohnen anbaut.

Eintauchen ins Thema

Niemand darf an einer heilbaren Krankheit leiden oder sterben

Nayani SuriyarachchiLandesverantwortliche Sri Lanka

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