«Die Einsparungen in der Entwicklungszusammenarbeit haben auch zu Kürzungen von öffentlichen Geldern bei FAIRMED geführt und damit unsere Projekte in Asien und Afrika beeinflusst», sagt Vanessa Konaté, Programmverantwortliche für FAIRMED in der Zentralafrikanischen Republik und Kamerun. «So standen wir als gesamtes FAIRMED-Team vor der Herausforderung, zu überlegen, wie wir diesen Schock abfangen können: Sollten wir unsere operative Strategie überprüfen, unseren Interventionsumfang verringern, das Volumen einiger Aktivitäten verringern oder einige Gesundheitsprojekte schliessen?
Sollten wir Personal entlassen oder sogar Programme ganzer Länder in Asien und Afrika schliessen, fragten wir uns», so Vanessa Konaté. «Gemäss unserem Motto ‚Niemanden zurücklassen’ haben wir beschlossen, unsere Strategie so anzupassen, dass wir uns noch stärker auf die am stärksten abgelegenen und vernachlässigten Gemeinschaften konzentrieren. Wir fokussieren unsere Bemühungen auf die Gebiete und Projekte, die den grössten Einfluss auf die Gesundheit und Würde der Menschen haben und die den grössten Beitrag zur Stärkung der Gemeinschaften und der Gesundheitssysteme leisten», fährt Vanessa Konaté fort. «Daher war es für uns ausgeschlossen, das Programm in der Zentralafrikanischen Republik ganz zu schliessen. Unsere Diskussionen, Entscheidungen und Bemühungen waren mutig und schwierig. Doch mit dem Engagement für unsere Vision und der umgesetzten Umstrukturierung ist es uns gelungen, ein Programm aufrechtzuerhalten, das trotz geringerer Ressourcen wirkt.»
33 Mitarbeitende entlassen, zwei lokale Büros geschlossen
«Wir standen vor der Aufgabe, im letzten Jahr 223'000 Schweizer Franken einzusparen», erzählt Dr. Severin Ndepete, technischer Leiter Gesundheit des FAIRMED-Programms in der Zentralafrikanischen Republik. «Wir haben unser Team von ursprünglich 56 Kolleginnen und Kollegen auf 23 geschrumpft, die medizinischen Kits überarbeitet und reduziert, und einige sehr aufwändige Aufgaben wie die Sensibilisierung von Gemeinschaften in abgelegenen Regionen an das öffentliche Gesundheitssystem und an Partnerorganisationen übergeben.» Wie Dr. Severin Ndepete weiter ausführt, war das oberste Gebot bei den Kürzungen, nach wie vor die grösstmögliche Anzahl Menschen zu erreichen und dabei effizienter zu werden: «Ich bin dankbar und stolz, dass es uns gelungen ist, unsere Kernaufgabe zu erfüllen: eine faire Gesundheitsversorgung für alle zu ermöglichen.»
Lohnkürzungen drücken auf die Motivation
«Der Preis, den wir persönlich dafür zahlten, die Kürzungen umzusetzen, war hoch und mit Schmerz verbunden», erzählt Dr. Severin Ndepete weiter. «Zwei Büros zu schliessen und 33 Mitarbeitende zu entlassen, war äusserst hart für mich – auch wenn wir die entlassenen Kolleginnen und Kollegen bei der Suche nach einem neuen Job nach Kräften unterstützt haben! Und nicht genug: Alle Mitarbeitenden von FAIRMED in der Zentralafrikanischen Republik haben zehn Monate lang eine Lohnkürzung von 20 Prozent in Kauf genommen, ansonsten hätten wir noch mehr Leute entlassen müssen.» Das Jahr 2025 hat Severin Ndepete vieles abverlangt, fährt dieser fort: «Ich fühlte mich zwischen Stuhl und Bank, dieses Jahr war mein schwierigstes überhaupt – es war quasi meine Feuertaufe.» Für Severin Ndepete galt es, seine Managementfähigkeiten und seinen Umgang mit Emotionen in Krisenzeiten zu schulen: «Ja, es war hart, ich habe gekämpft, aber es hat sich gelohnt. Bis auf zwei Kollegen haben alle entlassenen FAIRMED-Mitarbeitenden mit unserer Unterstützung einen neuen Job gefunden.
Die aktuell verbleibenden Kolleginnen und Kollegen sind wieder motiviert, und dank unserer Bemühungen konnten wir unser starkes Kooperationsnetzwerk aufrechterhalten, die Krise hat sich gelegt, und wir haben wieder eine produktive und motivierte Arbeitsatmosphäre im Team erreicht.» Eine Verbesserung im Arbeitsklima hat auch Vanessa Konaté wahrgenommen, welche das FAIRMED-Programm in der Zentralafrikanischen Republik vor kurzem besucht hat: «In Bangui wie in Mbaïki bin ich auf einen gestärkten Teamgeist und eine positive Atmosphäre gestossen.
Ich habe dem Team in der Zentralafrikanischen Republik meine Anerkennung und meine Glückwünsche überbracht für das Meistern des stürmischen Jahres 2025, das alles auf den Kopf gestellt hat. Die neuen Rollen sind verteilt, und es wird motiviert gearbeitet!» Auch die Vertreter von lokalen Partnerorganisationen und nationalen Gesundheitsbehörden hat Vanessa Konaté getroffen: «Sie sind sich der Herausforderungen voll bewusst, sind dankbar dafür, unsere Expertise an ihrer Seite zu haben und bereit, gemeinsam mit uns klare und konkrete Massnahmen umzusetzen, um der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik weiterhin ein nachhaltiges und funktionierendes Gesundheitssystem zu sichern.»
FAIRMED in der Zentralafrikanischen Republik …
… ist eine der wenigen Entwicklungsorganisationen, die im Gesundheitswesen im Land aktiv sind. Seit Jahrzehnten und auch während des Bürgerkriegs hat sich FAIRMED mit kompetenten Teams an der Seite der Partner und Gemeinden engagiert. Heute, da das Land auf dem Weg zur Stabilisierung ist, hat FAIRMED eine Intensivstation und ein Blutspendezentrum errichtet, bildet Gesundheitspersonal im Erkennen und Behandeln von vernachlässigten Tropenkrankheiten aus, baut mit Fahrrädern einfache Notfalltransportsysteme für abgelegen lebende Menschen auf und bezieht auch die indigenen Aka in ihre Gesundheitsprojekte mit ein.
Trotz Fortschritten und politischem Willen: Die Lage ist instabil
Die Zentralafrikanische Republik ZAR belegt den 191. Platz von 193 Ländern, den drittletzten Platz im Human Development Index HDI, die Schweiz steht mit dem zweiten Platz an der Spitze. Die Lebenserwartung bei Geburt beträgt in der ZAR im Durchschnitt 54,5 Jahre, in der Schweiz 86 für Frauen, 82 für Männer. Die von Erwachsenen abgeschlossenen Schuljahre umfassen in der ZAR 4 Jahre, das Bruttonationaleinkommen pro Kopf beträgt 869 US-Dollar pro Jahr, in der Schweiz 76’000 Franken. Während es in der Schweiz auf 45’000 Einwohner 180 Ärztinnen und Ärzte gibt, kommt die ZAR auf einen einzigen Arzt. Die Müttersterblichkeitsrate beträgt 692 Todesfälle pro 100’000 Geburten, in der Schweiz sind es 5 bis 6 Todesfälle. Die Kindersterblichkeitsrate unter 5 Jahren in der ZAR beträgt 92 Todesfälle pro 1000 Geburten, in der Schweiz sind es 3 bis 4 Todesfälle auf 1000 Geburten.
