Es sind schlimme Momente, von denen uns die Menschen in unseren Projekten in Jaffna und Kilinochchi berichten. Viele erzählen, wie der unaufhörliche Regen den Wasserspiegel innerhalb kürzester Zeit ansteigen liess, wie das Wasser in ihre Häuser eindrang und sie gezwungen waren, in panischer Eile zu fliehen. Zurück blieb alles, was sie besassen. «Wir mussten fünf Tage lang in einer Schule Schutz suchen», berichtet die Algenbäuerin Mary Janani aus dem Dorf Valaipadu. «Wir konnten unsere Habseligkeiten nicht in Sicherheit bringen. Viele von uns bekamen Fieber und Grippe, und wir haben grosse Angst vor weiteren Krankheiten wie dem Rattenfieber, die nach Überschwemmungen häufig auftreten.» Hinzu kam der völlige Zusammenbruch von Strom- und Kommunikationsnetzen. Telefone funktionierten nicht mehr, Informationen konnten nicht ausgetauscht werden, Hilfe war kaum erreichbar. «Wir fühlten uns abgeschnitten von der Aussenwelt – allein gelassen in dieser prekären Situation.»
Krankenhäuser evakuiert
Gleichzeitig war der Zugang zur medizinischen Versorgung für viele Menschen stark eingeschränkt. Die Überschwemmungen führten zu massiven Störungen im Gesundheitssystem Sri Lankas: Infrastruktur wurde beschädigt, der Betrieb von Krankenhäusern erheblich beeinträchtigt. «Mehrere Gesundheitseinrichtungen wurden in Mitleidenschaft gezogen, einige so schwer, dass sie evakuiert oder ganz geschlossen werden mussten», erklärt Nayani Suriyarachchi, die das FAIRMED-Büro in Sri Lanka leitet. Auch die Lieferketten brachen teilweise zusammen – Sauerstoff, Antibiotika und lebenswichtige Medikamente wurden knapp. In einigen Regionen waren ganze Gemeinden plötzlich vollständig von medizinischer Versorgung abgeschnitten.
Um den Menschen in dieser akuten Notlage beizustehen, leistete FAIRMED umgehend Nothilfe. Dank der engen und langjährigen Zusammenarbeit mit staatlichen Partnern wandte sich das Bezirkssekretariat direkt an FAIRMED, um Unterstützung zu erbitten. Innerhalb weniger Stunden stellten wir dringend benötigte Hilfsgüter bereit: 600 Planen, 800 Matten, 400 Isomatten, 300 Bettlaken, 500 Lebensmittelpakete sowie Kerzen, Mückenschutz und Desinfektionsmittel. Diese lebenswichtigen Güter wurden anschliessend über die Behörden an die betroffenen Familien verteilt – ein erster, wichtiger Schritt, um Hoffnung inmitten der Verzweiflung zu schenken.
So haben wir geholfen
Bisher haben wir folgende Hilfsgüter verteilt:
• 600 Planen
• 800 Matten
• 400 Isomatten
• 300 Bettlaken
• 500 Lebensmittelpakete mit Reis, Linsen und Öl, Kerzen, Mückenschutz und Desinfektionsmittel
Krise geht weiter
Für viele Familien ist die Krise damit jedoch noch nicht ausgestanden. Am härtesten trifft es jene, die ohnehin kaum Reserven hatten und deren Lebensgrundlagen nun teils komplett zerstört sind – Überschwemmungen haben Ernten vernichtet, Vieh mitgerissen und Fischereiausrüstung beschädigt. «Die Fluten kamen genau zur Zeit der Pflanzsaison», erklärt Nayani Suriyarachchi. «Wenn nicht gepflanzt werden kann, fehlen Einkommen und Nahrung bis weit in die nächste Saison hinein.» Entsprechend warnen die Behörden bereits vor einer drohenden Ernährungskrise. Sollten die Nahrungsmittel tatsächlich knapp werden und die Preise steigen, könnten sich vor allem viele der ärmsten Familien selbst Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten.
Doch die Not endet damit noch nicht. In mehreren betroffenen Regionen sind Wasserleitungen und Abwassersysteme beschädigt oder zerstört. Sauberes Trinkwasser ist knapp, sanitäre Einrichtungen fehlen. Das erhöht das Risiko gefährlicher Krankheiten wie Leptospirose (auch Rattenfieber genannt), Dengue-Fieber und Durchfallerkrankungen – eine zusätzliche Bedrohung für geschwächte Gemeinschaften. Auch die Begünstigten der FAIRMED-Projekte sind davon unmittelbar betroffen.
Weitere Hilfe nötig
«Der Bedarf an Hilfe ist ungebrochen», sagt Medoshan Perera, Koordinator der FAIRMED-Gesundheitsprojekte in der Nordprovinz Kilinochchi. «Viele Menschen haben alles verloren, was ihnen ein Einkommen gesichert hat. Sie brauchen medizinische Versorgung, Hilfe beim Wiederaufbau ihrer Häuser und dringend Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Gleichzeitig müssen wir sie sofort über wasserübertragene Krankheiten wie Durchfall und Leptospirose aufklären.
FAIRMED leistet Nothilfe
Ob Tsunami, Erdbeben oder Bürgerkrieg: Wir von FAIRMED haben in unseren Projekten schon oft hautnah miterlebt, was die Menschen in Notsituationen durchmachen müssen. Es ist uns deshalb enorm wichtig, dass wir in unseren Projekten schnell und unbürokratisch auf Krisen und Katastrophen reagieren können.
Das ist nur möglich, weil wir in jedem Projekt einen Fonds für Nothilfe bereitstellen und weil Menschen vor Ort unsere Projekte durchführen. Sie leben nahe an den betroffenen Gebieten und können innerhalb weniger Stunden auf neue Herausforderungen reagieren. Sie müssen nicht erst von weit entfernt anreisen, sondern sind bereits vor Ort. Sie sind zudem gut mit den lokalen Behörden vernetzt und wissen, wie man sofort Lebensmittel, Kleidung und Medikamente organisiert.
