FAIRMED vor Ort: Gehört der Zyklon Ditwah, der die Überschwemmungen verursachte, noch zur Regel, oder sind die schweren Regenfälle Folge des Klimawandels?
Thomas Stocker: Die Intensität solcher Zyklonen ist stark beeinflusst durch die Temperatur der Ozeanoberflächen, hier des Indischen Ozeans südlich von Sri Lanka. Mit der globalen Erwärmung nehmen diese Temperaturen generell zu. Wichtig ist aber auch der Status von natürlichen Schwankungszyklen wie El Niño und der «Indian Ocean Dipole». Treffen diese beiden in einer bestimmten Phase zusammen, wie dies im November 2025 der Fall war, so gibt es besonders heftige Niederschläge. Zudem waren die Oberflächentemperaturen etwa 0.2°C wärmer als der Durchschnitt von 1991–2020, was die Extremereignisse ebenfalls verstärkt.
Werden solche Phänomene wie der Zyklon Ditwah zunehmen?
Ja, davon ist auszugehen und damit rücken die Frühwarnsysteme für solche Ereignisse in den Fokus. Nicht wegen der Reisenden, die ja jederzeit wieder nach Hause gehen können, sondern für die Hunderten von Millionen Menschen, die in diesen Regionen leben und nicht einfach verschwinden können.
Was sagen Sie zur Aussage, wie sie zum Beispiel im Magazin der Tamedia erzählt wurde, dass Meeresalgen das Klima stabilisieren, die Menschheit ernähren und damit quasi die Welt retten könnten?
Ich bin immer skeptisch, wenn eine bestimmte Massnahme als «die Rettung vor dem Klimawandel» dargestellt wird. Die einfache und günstige Massnahme gibt es nicht, aber jeder vernünftige Vorschlag – wie auch dieser – hilft. Solche Versprechungen lenken jedoch von der Tatsache ab, dass ohne schnelle und vollständige Elimination der fossilen Brennstoffe, Klimastabilität unerreichbar ist. Also: Neben all den sinnvollen Massnahmen bleibt die Abkehr von Kohle, Öl und Gas und der Ersatz durch erneuerbare Energien die Top-Priorität!
